„Das Gedächtnis ist das Tagebuch, das wir alle mit uns tragen.“
Oscar Wilde
Es ist eine Funktion des Gehirns, die für unser Lernen und damit für unser Überleben wesentlich ist. Dank ihr können wir uns besser an die Anforderungen unserer Umgebung anpassen.
Morphologisch betrachtet ist das Gedächtnis eng mit dem Hippocampus verbunden, doch es sind mehrere Hirnregionen an diesem Prozess beteiligt. Interessant ist, dass die Bedeutung von Wörtern in der rechten Hemisphäre gespeichert wird, Kindheitserinnerungen im Temporallappen bewahrt werden und die Frontallappen für Wahrnehmung und Denken zuständig sind.
Gedächtnisarten
Nach dem Mehrspeichermodell von Richard Atkinson und Richard Shiffrin, wonach Informationen bei ihrer Verarbeitung verschiedene Speicher durchlaufen, gibt es drei verschiedene Arten. Daraus ergibt sich folgende Einteilung.
Sensorisches Gedächtnis
Von kurzer Dauer; es erfasst Informationen über die Sinne. Es verarbeitet eine große Menge an Reizen, die so lange erhalten bleiben, wie es für ihre Auswahl, Identifikation und weitere Verarbeitung nötig ist.
Kurzzeitgedächtnis
Auch als Arbeitsgedächtnis bezeichnet. Seine Kapazität ist begrenzt: Es kann nur wenige Elemente für kurze Zeit behalten. Es gliedert sich in vier Komponenten.
- Visuell-räumlicher Notizblock. Zuständig für das aktive Halten von (bildlichen) Informationen – zum Beispiel beim Lernen einer Route.
- Episodischer Puffer. Ein System, das Informationen aus verschiedenen Quellen integriert. So stellt es visuelle, verbale, räumliche und zeitliche Informationen dar.
- Phonologische Schleife. Sie arbeitet mit verbalen Informationen und unterstützt das innere Sprechen im Kurzzeitgedächtnis, etwa wenn wir uns eine Telefonnummer merken.
- Zentrale Exekutive. Ihre Aufgabe ist die Steuerung und Regulation des Arbeitsgedächtnissystems.
Langzeitgedächtnis
Es ermöglicht uns, Informationen am längsten zu behalten. Wir unterscheiden zwei Arten.
- Explizites oder deklaratives Gedächtnis: der Speicher bewusst abrufbarer Informationen. Hier unterscheiden wir das episodische Gedächtnis (wir erinnern uns an Ereignisse und Erlebnisse, die räumlich und zeitlich verortet sind) und das semantische Gedächtnis (das Wissen um die Bedeutung von Gegenständen, den Wortschatz und das Allgemeinwissen).
- Implizites oder prozedurales Gedächtnis: bezieht sich auf erlernte Handlungen oder Handlungsfolgen, die wir meist automatisch ausführen, ohne über jede Geste oder Bewegung nachzudenken (sie lassen sich oft nur schwer in Worte fassen).
Wozu dient das Gedächtnis?
Das Gedächtnis ist der Speicher unserer Erinnerungen und Erfahrungen. Dank ihm erinnern wir uns daran, mit wem wir gestern zusammen waren, wo wir Urlaub gemacht haben, an frühere Gespräche, an unser schulisches Wissen, unsere Berufserfahrung usw.
Dank des Gedächtnisses sind wir, wer wir sind; wir lernen und verändern uns entsprechend unseren Beziehungen und den Anforderungen unserer Umgebung.
Deshalb nehmen Erkrankungen wie Alzheimer, bei denen das Gedächtnis nach und nach verloren geht, dem Menschen allmählich sein Wesen.
Diagnostik und kognitive Stimulation des Gedächtnisses
Bei einer kognitiven Beeinträchtigung ist es entscheidend, eine Fachperson aufzusuchen. Sie bringt ihre Erfahrung ein, um die beste Methode zu finden, das Gedächtnis mit kognitiver Stimulation zu trainieren.
Kognitive Stimulation umfasst alle Aktivitäten, die darauf abzielen, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern und den Abbau zu verlangsamen – durch verschiedene Übungen mithilfe von Stimulationsprogrammen. Bei NeuronUP bieten wir eine große Vielfalt an Übungen zur kognitiven Stimulation, die auf das Gedächtnistraining ausgerichtet sind.
NeuronUP-Übungen zur Rehabilitation des Gedächtnisses

Bei NeuronUP gibt es verschiedene Aktivitäten zum Gedächtnistraining, zum Beispiel bei Erkrankungen wie Alzheimer. Für das episodische Gedächtnis gibt es unter anderem die Übung Tierpaare: Unter verdeckten Karten müssen Paare gefunden werden, indem jeweils zwei Karten aufgedeckt und, wenn sie nicht zusammenpassen, wieder umgedreht werden. Ein weiteres Beispiel, diesmal für das semantische Gedächtnis und bei unseren Anwender:innen in der Arbeit mit Menschen mit Alzheimer sehr beliebt, besteht darin, Elemente der Kategorie zuzuordnen, zu der sie gehören.
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Bibliografie
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