Der Neuropsychologe David Ochoa Maxi stellt vor, wie sich die Reminiszenztherapie bei Menschen mit Alzheimer anwenden lässt, um Gedächtnis, Identität und emotionales Wohlbefinden zu stärken.
Bei der Reminiszenz bei Alzheimer werden bedeutsame Erinnerungen mithilfe von Fotografien, Musik, Gegenständen oder immersiven Umgebungen wachgerufen. Diese Technik erleichtert die Aktivierung des autobiografischen Gedächtnisses, fördert die zeitliche Orientierung und verbessert den emotionalen Zustand der Patientinnen und Patienten. Klinische Leitlinien und aktuelle Studien bestätigen ihren Nutzen in leichten, mittleren und fortgeschrittenen Krankheitsstadien.
1. Einleitung
Kann eine Erinnerung das Leben eines Menschen mit Alzheimer verbessern?
Dies ist eine der Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen, wenn wir verstehen möchten, welche Interventionsansätze die Lebensqualität von Menschen mit dieser Erkrankung verbessern. Und ja: Eine Erinnerung ist nicht nur ein Weg durch die Zeit zu einem bestimmten Moment unseres Lebens. Sie ist auch der Schlüssel, der uns ermöglicht, uns als Teil unserer eigenen Geschichte wiederzuerkennen und uns über den zurückgelegten Weg in der Gegenwart zu verankern.
Daher wurden verschiedene Interventionsansätze entwickelt, darunter die Reminiszenztherapie (das strukturierte Abrufen persönlicher Erinnerungen durch Gespräche und Reize wie Fotografien, Musik oder Gegenstände).
Diese Therapie hat sich als eine der am besten untersuchten psychosozialen Interventionen bei Demenzerkrankungen etabliert, insbesondere wenn wir die krankheitsbedingten Einschränkungen vom Zeitpunkt der Diagnose bis zu den verschiedenen Krankheitsphasen berücksichtigen. Ihre praktische und einfache Anwendung stellt daher nicht nur einen Zugang zu Erinnerungen dar, sondern fördert auch das psychische Wohlbefinden, selbst bei älteren Menschen ohne offensichtliche kognitive Beeinträchtigung. Dies deutet auf ihr präventives und therapeutisches Potenzial hin.
In diesem Artikel geht es daher um den Einsatz der Reminiszenztherapie und ihre Anwendung bei Menschen mit Alzheimer unter Berücksichtigung der einzelnen Krankheitsphasen. Außerdem betrachten wir den Einsatz neuer Technologien und die Frage, wie diese Therapie zur kognitiven und emotionalen Verbesserung der Teilnehmenden beiträgt.
2. Wie funktioniert die Reminiszenztherapie bei Menschen mit Alzheimer?
Nach Angaben des Centro de Referencia Estatal de Atención a Personas con Alzheimer (2011) besteht die Reminiszenztherapie (RT) aus der Besprechung vergangener Aktivitäten, Ereignisse und Erfahrungen, meist mithilfe greifbarer Erinnerungsobjekte, die als Auslöser dienen.
Sie ist eine der am häufigsten eingesetzten nichtmedikamentösen Therapien in Einrichtungen für Menschen mit Demenz, da sie offenbar besonders gut an deren Gedächtnisprobleme angepasst ist. Diese sind durch erhebliche Schwierigkeiten beim Erinnern kürzlich stattgefundener Ereignisse, aber durch ein relativ gutes Erinnerungsvermögen an das frühere Leben gekennzeichnet, insbesondere an Kindheit und frühes Erwachsenenalter. Die Konzentration auf erhaltene Fähigkeiten und Erinnerungen fördert die Kommunikation und ermöglicht es der Person, sich mit ihrer Vergangenheit zu verbinden und ihr Gefühl für die persönliche Identität wiederzugewinnen.
Die Reminiszenztherapie lässt sich als eine Intervention an der Schnittstelle zwischen Therapien zur kognitiven Stimulation und solchen mit emotionalem Schwerpunkt betrachten, mit möglichen Wechselwirkungen auf das autobiografische Gedächtnis und das psychische Wohlbefinden.
Die Reminiszenztherapie beruht auf zwei Grundprinzipien:
- Reaktivierung des autobiografischen Gedächtnisses durch sensorische Hinweisreize und
- Förderung der sozialen Interaktion und der persönlichen Identität.
In der klinischen Praxis kann sie einzeln oder in Gruppen durchgeführt werden und zeigt Vorteile für das episodische bzw. autobiografische Gedächtnis (Kirk et al., 2019). Darüber hinaus wurden eine Verringerung depressiver Symptome und eine höhere Lebenszufriedenheit beobachtet, wodurch sich Verhaltensaspekte wie Apathie und Kommunikation verbessern (Cammisuli et al., 2022).
Die wissenschaftliche Evidenz zeigt moderate Effekte auf psychosoziale Parameter und gemischte Ergebnisse für die globale Kognition. Studien berichten über Verbesserungen des autobiografischen Gedächtnisses und der Lebensqualität. Laut Woods et al. (2018) variiert das Ausmaß je nach Form, Dauer und Kontext der Intervention. Daher müssen die üblichen Einschränkungen berücksichtigt werden: methodische Heterogenität, kleine Stichprobengrößen und wenige langfristige Nachbeobachtungen.
Die Reminiszenz unterscheidet sich von anderen kognitiven Therapien durch ihren autobiografischen und stärker auf die Identität ausgerichteten psychosozialen Schwerpunkt (bei Menschen mit Demenz besonders wichtig) im Gegensatz zu reinen Interventionen der kognitiven Stimulation.
3. Anwendung der Reminiszenz bei Alzheimer
Bei jeder Aktivität zur kognitiven Stimulation ist die Struktur der Sitzungen entscheidend, um sowohl ein optimales Leistungsniveau als auch die Beteiligung der Person an den durchzuführenden Aufgaben aufrechtzuerhalten. Eine korrekte Planung kann die für jedes kognitive Profil typischen Einschränkungen, insbesondere bei Menschen mit Demenz, abmildern.
Klinische Leitlinien empfehlen wöchentliche oder zweiwöchentliche Sitzungen von 30 bis 60 Minuten über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Wochen. Die American Occupational Therapy Association (AOTA, 2024) empfiehlt, diese Interventionen in ruhigen, vertrauten Umgebungen durchzuführen und persönliche Materialien wie Fotografien, Musik oder Düfte zu verwenden, die als Gedächtnisauslöser dienen. Dabei sollten stets Angehörige und gesetzliche Vertretungen der zu behandelnden Person konsultiert werden, um Materialien zu vermeiden, die unangenehme Erinnerungen hervorrufen.
Es ist wichtig, die Fragen strukturiert zu formulieren: Wer, wann, wo – so lassen sich konkrete Details fördern und Themen erfassen, die positive Reaktionen auslösen. Dies kann helfen, eine positive Erinnerungsspur aufrechtzuerhalten und das Abrufen potenziell schmerzhafter Erinnerungen zu vermeiden.
3.1. Anpassung der Reminiszenz an die einzelnen Alzheimer-Phasen
Das Stadium der Alzheimer-Erkrankung kann ein guter Ausgangspunkt für die Planung und Auswahl der Reize innerhalb der Reminiszenztherapie sein.
Reminiszenztherapie in leichten Alzheimer-Phasen
In leichten Krankheitsphasen kann berücksichtigt werden, dass die Beeinträchtigungen des biografischen und episodischen Gedächtnisses noch nicht stark ausgeprägt sind. Diese Informationen lassen sich als Anker für weitere Aktivitäten nutzen. So empfehlen Kirk et al. (2019), sich auf detaillierte autobiografische Erinnerungen zu konzentrieren und schriftliche Materialien sowie offene Fragen einzusetzen.
Reminiszenztherapie in mittleren Alzheimer-Phasen
Für mittlere Krankheitsphasen, in denen neben Gedächtnisstörungen auch Beeinträchtigungen der Orientierung, Aufmerksamkeit und Sprache sowie ängstliche oder depressive Symptome auftreten können, empfehlen Kudlicka et al. (2019), sensorische Reize zu priorisieren: Musik, vertraute Gegenstände und sich wiederholende Routinen, die Angst reduzieren und die Identität der Patientin bzw. des Patienten stärken.
Reminiszenztherapie in fortgeschrittenen Alzheimer-Phasen
In der fortgeschrittenen Phase sollten die Interventionen kurz und stark sensorisch ausgerichtet sein, mit dem Ziel, eher den emotionalen Komfort als das deklarative Gedächtnis zu erhalten. Nach Angaben des Centro de Referencia Estatal de Atención a Personas con Alzheimer (2011) kann das Hervorrufen vertrauter Reize selbst in schweren Stadien Wohlbefinden und emotionale Verbundenheit erzeugen.

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4. Einsatz von Technologie und Virtual Reality in der Reminiszenztherapie bei Alzheimer
Der Einsatz immersiver Umgebungen hat neue Möglichkeiten für die Reminiszenzarbeit bei Alzheimer eröffnet. In einer multizentrischen Studie beobachteten Saredakis et al. (2021), dass die Reminiszenztherapie mit Virtual Reality die Apathie verringerte und die emotionale Beteiligung von Bewohnerinnen und Bewohnern geriatrischer Einrichtungen steigerte.
Ergänzend stellten Mao et al. (2024) in einem systematischen Review fest, dass personalisierte virtuelle Erfahrungen die Verbindung zu vergangenen Erinnerungen stärken können. Zur Bestätigung dieser Ergebnisse sind jedoch noch größere randomisierte klinische Studien erforderlich.
4.1. Virtual Reality und Augmented Reality für die Reminiszenzarbeit bei Alzheimer: die Pilotstudie des CRE Alzheimer
Das Centro de Referencia Estatal de Atención a Personas con Alzheimer (CRE Alzheimer) hat eine Pilotstudie vorgeschlagen, um zu untersuchen, wie diese Art der Intervention mithilfe von Virtual Reality (VR) eingesetzt werden kann.
Die von Figueiredo (2025) mit Unterstützung des technischen Personals der Einrichtung geleitete Studie untersuchte diese Interaktionen in vier Sitzungen. Jede Intervention dauerte etwa 90 Minuten. Dabei wurde das episodische Gedächtnis der einzelnen Patientinnen und Patienten mithilfe verschiedener visueller Medien stimuliert: analoge Fotografien, Tablets und Virtual Reality. Die visuellen Reize wurden in einer Schwarz-Weiß-Ästhetik präsentiert, wodurch die emotionale Verbindung verstärkt und das Abrufen vergangener Erinnerungen erleichtert wurde.
Nach Abschluss der Pilotstudie zeigte sich eine klare positive Tendenz beim Wohlbefinden nach den Sitzungen. Obwohl der t-Test aufgrund der Studienbedingungen keine statistische Signifikanz auf dem 95-%-Niveau ergab, deutet die große Effektstärke (d ≈ 1.05) darauf hin, dass die Veränderung praktisch bedeutsam und signifikant ist. Sie spiegelt eine deutliche Verbesserung des wahrgenommenen Wohlbefindens wider, das vor und nach der Intervention mithilfe einer Likert-Skala vom Typ „Happy Faces“ gemessen wurde.

Zur weiteren Veranschaulichung dieser Fälle können wir einige Äußerungen der Teilnehmenden nach der Intervention anführen: „es schien, als könnte ich es berühren“; „das Schöne ist, dass man alles erkunden kann, als wäre man dort“; „mit der Brille kann man alles um sich herum sehen und sich bewegen, ins Café gehen oder über den Platz spazieren“.
Der Fall der mit J.S. bezeichneten Person ist ebenfalls interessant. Während der Aktivität konnte sie sich beim Anblick der „Casa de las conchas“ an ihre Kindheit und den Beginn ihres Berufslebens erinnern. Diese positive Erinnerung blieb auch in den folgenden Tagen präsent, obwohl die Person vergessen hatte, mit der Virtual-Reality-Brille an der Aktivität teilgenommen zu haben.

4.2. Empfehlungen zur Integration von Technologie, ohne den menschlichen Anteil zu ersetzen
Es ist wichtig, die Grenzen dieser Art von Hilfsmitteln anzuerkennen. Sorrentino et al. (2024) weisen darauf hin, dass Technologie als Mittel zur Verstärkung des Erinnerungsabrufs verstanden werden sollte, nicht als Ersatz für die menschliche Interaktion. Die Anwesenheit der Therapeutin, des Therapeuten oder der Betreuungsperson bleibt entscheidend, um emotionale Reaktionen zu interpretieren und Halt zu geben.
In den Nachbefragungen der Pilotstudie betonte die Mehrheit der Teilnehmenden, wie wichtig es sei, Eindrücke mit den für die Aktivität verantwortlichen Fachkräften zu teilen. Sie berichteten über eine Verbesserung ihrer Stimmung, Dankbarkeit und eine höhere Bereitschaft zur Nutzung neuer Technologien, wenn die Fachkräfte die Sitzungen aktiv begleiteten. Dies bestätigt die Aussage von Saredakis et al. (2021), dass die Kombination digitaler Hilfsmittel mit menschlicher Begleitung die besten klinischen Ergebnisse hervorbringt.
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5. Wie die Reminiszenz das Leben von Menschen mit Alzheimer verbessert
Studien heben die transformative Wirkung dieser Therapie auf den Alltag hervor. Kirk et al. (2019) dokumentierten den Fall einer Person, die nach der Teilnahme an einem fünfwöchigen immersiven Reminiszenzprogramm eine bemerkenswerte Verbesserung ihrer Fähigkeit zeigte, autobiografische Episoden zu erzählen, sowie eine stärkere emotionale Ausdrucksfähigkeit.
In ähnlicher Weise berichteten Saredakis et al. (2021) über deutliche Verbesserungen der Stimmung und Motivation bei institutionalisierten Menschen mit Alzheimer nach der Teilnahme an Reminiszenzsitzungen mittels Virtual Reality. Diese Ergebnisse zeigen, wie die Kombination bedeutsamer Erinnerungen, sensorischer Stimulation und einfühlsamer Begleitung die Lebensqualität selbst in mittleren Krankheitsphasen verbessern kann.
6. Fazit
Die Evidenz bestätigt, dass Reminiszenz eine wirksame nichtmedikamentöse Intervention darstellt, um das psychosoziale Wohlbefinden zu fördern und die Identität von Menschen mit Alzheimer zu stärken. Dies gilt insbesondere, wenn sie im Rahmen geplanter wöchentlicher Sitzungen und mit therapeutischer Begleitung angewendet wird, die sowohl die Therapietreue stärkt als auch die emotionale Verbesserung außerhalb des Anwendungsrahmens unterstützt.
All dies hängt nicht nur von einer korrekten Strukturierung, der Anpassung an die einzelnen Krankheitsphasen und der menschlichen Präsenz als zentralem Element des Prozesses ab, sondern sollte auch als ein weiterer Interventionsansatz verstanden werden. Künftige Studien sollten die Wirksamkeit technologiebasierter Interventionen mit der Wirksamkeit herkömmlicher Interventionen vergleichen und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf immersive Therapien legen. Diese könnten in fortgeschrittenen Stadien hilfreich sein, wenn die sensorische Reizschwelle im Mittelpunkt steht.
Wie das Centro de Referencia Estatal de Atención a Personas con Alzheimer (2011) feststellt, geht es bei der Reminiszenz bei Alzheimer nicht so sehr darum, die Vergangenheit zurückzugewinnen, sondern ihr eine neue Bedeutung zu geben und der Person zu helfen, sich weiterhin als Teil ihrer Geschichte zu fühlen.
7. Literaturverzeichnis
- American Occupational Therapy Association. (2024). Occupational therapy practice guidelines for adults living with dementia. American Occupational Therapy Association. https://doi.org/10.5014/ajot.2024.078101
- Cammisuli, D. M., Danti, S., Bosinelli, F., & Cipriani, G. (2022). Effects of reminiscence therapy on cognition, depression and quality of life in older adults with mild-to-moderate dementia: A systematic overview. Journal of Clinical Medicine, 11(19), 5752. https://doi.org/10.3390/jcm11195752
- Centro de Referencia Estatal de Atención a Personas con Alzheimer. (2011). Terapia de reminiscencia. Instituto de Mayores y Servicios Sociales (IMSERSO).
https://crealzheimer.imserso.es/documents/20123/1021826/monogr_reminiscencia.pdf - Figueiredo, M., Pérez González, C., Josan Lalgi, T., & Pérez-Sáez, E. (2025, 9 de septiembre). Recuerda y comparte: Terapia de reminiscencia con realidad virtual. Blog del Centro de Referencia Estatal de Atención a Personas con Alzheimer y otras Demencias (CRE Alzheimer). https://blogcrea.imserso.es/-/recuerda-y-comparte-terapia-de-reminiscencia-con realidad-virtual
- Kirk, M., Rasmussen, K. W., Overgaard, S. B., & Berntsen, D. (2019). Five weeks of immersive reminiscence therapy improves autobiographical memory in Alzheimer’s disease. Memory, 27(4), 441–454. https://doi.org/10.1080/09658211.2018.1515960
- Kudlicka, A., Martyr, A., Bahar-Fuchs, A., Sabates, J., Woods, B., & Clare, L. (2023). Cognitive rehabilitation for people with mild to moderate dementia. The Cochrane database of systematic reviews, 6(6), CD013388. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013388.pub2
- Mao, Q., Zhao, Z., Yu, L., Zhao, Y., & Wang, H. (2024). The effects of virtual reality–based reminiscence therapy on older adults with cognitive impairment: Systematic review. Frontiers in Psychology, 15, 1392145. https://doi.org/10.2196/53348
- Saredakis, D., Keage, H. A. D., Corlis, M., Ghezzi, E. S., & Loetscher, T. (2021). The effect of reminiscence therapy using virtual reality on apathy in residential aged care: Multisite nonrandomized controlled trial. Journal of Medical Internet Research, 23(9), e29210. https://doi.org/10.2196/29210
- Sorrentino, M., Fiorilla, C., Mercogliano, M., Esposito, F., Stilo, I., Affinito, G., Moccia, M., Lavorgna, L., Salvatore, E., Maida, E., Barbi, E., Triassi, M., & Palladino, R. (2024). Technological interventions in European dementia care: A systematic review of acceptance and attitudes among people living with dementia, caregivers, and healthcare workers. Frontiers in Neurology, 15, 1474336. https://doi.org/10.3389/fneur.2024.1474336
- Woods, B., O’Philbin, L., Farrell, E. M., Spector, A. E., & Orrell, M. (2018). Reminiscence therapy for dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018(3), CD001120. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001120.pub3
Häufig gestellte Fragen zur Reminiszenztherapie bei Alzheimer
1. Was ist Reminiszenztherapie?
Die Reminiszenztherapie ist eine nichtmedikamentöse Intervention, bei der persönliche Erinnerungen und sensorische Reize (Fotografien, Gegenstände, Musik oder digitale Umgebungen) genutzt werden, um das autobiografische Gedächtnis von Menschen mit Alzheimer zu aktivieren. Zu den wichtigsten Vorteilen gehören eine bessere Kommunikation, die Verringerung von Apathie und depressiven Symptomen, eine bessere zeitliche Orientierung und eine deutliche Stärkung der persönlichen Identität. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt insbesondere in leichten und mittleren Krankheitsphasen Verbesserungen des autobiografischen Gedächtnisses, der Stimmung und der Lebensqualität. Laut systematischen Reviews und klinischen Studien sind die Effekte moderat, aber konsistent. Die Therapie reaktiviert erhaltene Gedächtnisnetzwerke mithilfe sensorischer Hinweisreize und fördert bedeutsame soziale Interaktion.
2. Wie kann Reminiszenz die Lebensqualität von Menschen mit Alzheimer verbessern?
Reminiszenz bei Alzheimer fördert die Aktivierung des autobiografischen Gedächtnisses, erleichtert die zeitliche Orientierung und stärkt die persönliche Identität. In therapeutischen Umgebungen steht sie mit einer Verringerung von Apathie und depressiven Symptomen in Verbindung und verbessert die emotionale Beteiligung der Patientinnen und Patienten an Sitzungen zur kognitiven Stimulation.
3. Was ist der Unterschied zwischen Reminiszenz und kognitiver Stimulation?
Die kognitive Stimulation konzentriert sich mithilfe strukturierter Aufgaben auf das Training allgemeiner kognitiver Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Sprache. Die Reminiszenztherapie nutzt dagegen autobiografische Erinnerungen und persönliche Reize, um die Identität zu stärken, positive Emotionen zu fördern und die Kommunikation zu verbessern. Während die kognitive Stimulation die funktionale Leistungsfähigkeit verbessern soll, arbeitet die Reminiszenz an der emotionalen Verbindung zur eigenen Geschichte und integriert kognitive und affektive Aspekte. Daher ist Reminiszenz bei Demenz besonders geeignet, um psychisches Wohlbefinden und persönliche Identität auch in fortgeschrittenen Phasen zu stärken.
4. Wie lässt sich Reminiszenz bei Alzheimer an den Grad der kognitiven Beeinträchtigung anpassen?
In leichten Phasen werden detaillierte Erinnerungen und offene Fragen eingesetzt, in mittleren Phasen sensorische Reize priorisiert und in fortgeschrittenen Phasen kurze, stark sensorisch ausgerichtete Interventionen mit Schwerpunkt auf dem emotionalen Komfort durchgeführt.
5. Wie lange dauert ein Reminiszenzprogramm und wie viele Sitzungen werden empfohlen?
Klinische Leitlinien empfehlen wöchentliche oder zweiwöchentliche Sitzungen von 30 bis 60 Minuten über sechs bis zwölf Wochen in ruhigen, vertrauten Umgebungen, mit personalisierten Materialien und kontinuierlicher professioneller Begleitung.
6. Wie können Virtual Reality oder Augmented Reality in die Reminiszenz bei Alzheimer integriert werden?
Immersive Technologien ermöglichen es, vertraute Umgebungen und persönliche Erinnerungen nachzubilden. Studien mit Virtual Reality zeigen eine Verringerung von Apathie, eine stärkere emotionale Beteiligung und ein intensiveres therapeutisches Erleben.
7. Welche Rolle spielen nichtmedikamentöse Therapien bei Demenz in der kognitiven Intervention?
Nichtmedikamentöse Therapien bei Demenz bilden die Grundlage einer ganzheitlichen Intervention. Sie ermöglichen es, Funktionalität, Selbstständigkeit und Wohlbefinden zu fördern, ohne ausschließlich von Medikamenten abhängig zu sein.
Der Einsatz immersiver Umgebungen verstärkt die Wirkung der Reminiszenz, indem bedeutsame Szenarien aus der Vergangenheit nachgebildet werden. Virtual Reality erleichtert den emotionalen Erinnerungsabruf und die aktive Beteiligung. Dabei bleibt die Therapeutin oder der Therapeut als wesentliche vermittelnde Person präsent, um affektive Reaktionen zu interpretieren und zu regulieren.
8. Welche Vorsichtsmaßnahmen sind vor einer Reminiszenzsitzung bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz zu treffen?
Reize, die schmerzhafte Erinnerungen hervorrufen könnten, sollten vermieden werden. Stattdessen sind ruhige, vertraute Umgebungen und die Begleitung durch eine Therapeutin oder einen Therapeuten vorzusehen, der emotionale Reaktionen interpretiert und das Wohlbefinden der Patientin oder des Patienten sicherstellt.
9. Warum verbessert die Kombination aus Erinnerungen und sensorischer Stimulation das autobiografische Gedächtnis?
Visuelle, auditive und olfaktorische Reize dienen als Hinweisreize, die mit dem episodischen Gedächtnis verbundene neuronale Netzwerke reaktivieren. Diese sensorische Integration fördert die Verbindung zu persönlichen Erfahrungen und stärkt die Identität. Dadurch entsteht eine länger anhaltende therapeutische Wirkung als bei rein kognitiven Aufgaben.







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