In diesem Artikel stellen César Ortea Suárez (CTO & Software Architect bei NeuronUP), Jorge M. Corada (Chief Product Officer bei NeuronUP), Jesús Cortés (Research Director bei NeuronUP), Elina Maltseva (Data Leader bei NeuronUP) und Marta Arbizu Gómez (Industrial PhD Student bei NeuronUP) die Unterschiede zwischen Performance und Score in NeuronUP, ihre gemeinsame Interpretation sowie ihre Anwendungen in der klinischen Praxis vor.
Warum benötigen wir zwei unterschiedliche Kennzahlen?
In der digitalen kognitiven Rehabilitation ist es nicht so einfach, die Leistung eines Patienten zu messen, wie richtige oder falsche Antworten zu zählen. Eine Person kann in den ersten Phasen einer Aufgabe sehr präzise antworten, aber stecken bleiben, sobald der Schwierigkeitsgrad steigt. Eine andere Person kommt in der Aktivität weit, macht dabei jedoch mehr Fehler.
Um diese Unterschiede zu erfassen, verwendet NeuronUP zwei sich ergänzende Kennzahlen: Performance und Score. Beide liefern wertvolle Informationen, doch ihre eigentliche Aussagekraft entfaltet sich, wenn sie gemeinsam interpretiert werden.
Was ist die Performance?
Die Performance ist eine Kennzahl, die die globale Ausführungsqualität des Nutzers misst. Konkret gibt sie den Anteil der richtigen Antworten im Verhältnis zur Gesamtzahl der durchgeführten Versuche wieder, also unter Einbeziehung richtiger Antworten, Fehler und Auslassungen.
Die mathematische Formel, die sie definiert, lautet:
Dabei gilt:
- Cp: richtige Antworten in Phase p
- Ep: Fehler in Phase p
- Op: Auslassungen in Phase p
Da es sich um den Quotienten aus richtigen Antworten und der Gesamtzahl der Versuche handelt, liegt ihr Wert immer zwischen 0 und 1.
In der Praxis weist eine Performance, die nahe bei 1 liegt, auf eine sehr präzise Ausführung hin, während Werte nahe 0 ein niedriges Verhältnis richtiger Antworten zu den Versuchen widerspiegeln.
Beispielsweise kann ein Nutzer, der nur die Anfangsphasen löst, dies aber mit großer Genauigkeit tut, eine hohe Performance erreichen, ohne zu schwierigeren Phasen vorzudringen.
Klinische Interpretation: Die Performance informiert über die globale Genauigkeit des Patienten in jeder Phase, ohne das erreichte Schwierigkeitsniveau zu berücksichtigen.
Was ist der Score?
Der Score ist eine Kennzahl, die die globalen Fähigkeiten und die Expertise des Nutzers im Verlauf einer Aktivität misst. Anders als die Performance bewertet er nicht nur die Genauigkeit der Antworten, sondern auch die Fähigkeit, zu komplexeren Phasen fortzuschreiten. Dabei werden fortgeschrittene Phasen stärker gewichtet und vorzeitige Abbrüche sanktioniert.
Die Formel, die ihn definiert, lautet:
Dabei gilt:
- Sp: Score in Phase p (Wert zwischen 0 und 1)
- P: Menge der abgeschlossenen Phasen
- N: Gesamtzahl der Phasen
- maxP: höchste erreichte Phase
Definitionsgemäß nimmt der Score immer Werte zwischen 0 und 100 an.
In der Praxis bedeutet ein hoher Score, dass der Nutzer nicht nur präzise war, sondern außerdem anspruchsvollere Phasen erreichen konnte. Wer beispielsweise fortgeschrittene Phasen erreicht, obwohl er einige Fehler macht, kann einen hohen Score erzielen.
Klinische Interpretation: Der Score bildet die vollständige Entwicklung der Leistung ab und reagiert besonders sensibel auf die Leistung in Phasen mit höherem Schwierigkeitsgrad. Dadurch ist er ein geeigneter Indikator zur Bewertung des Fortschritts in neuropsychologischen Interventionen.
Performance und Score: Wie interpretiert man sie gemeinsam?
Der eigentliche Wert dieser Kennzahlen zeigt sich, wenn sie gemeinsam analysiert werden. Performance und Score schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich. Ihre Kombination ermöglicht ein besseres Verständnis des Leistungsprofils des Patienten.
Wie in Abbildung 1 dargestellt, sind vier Kombinationen der beiden Parameter möglich:
- Hohe Performance und niedriger Score: Dies bedeutet, dass die Person mit großer Genauigkeit antwortet, jedoch nur in anfänglichen oder einfachen Phasen. Es handelt sich um ein Profil, das die Grundlagen beherrscht, aber noch nicht zu komplexeren Niveaus vordringen kann.
- Niedrige Performance und hoher Score: Dies zeigt, dass der Patient fortgeschrittene Phasen erreicht hat, dabei jedoch mehr Fehler macht. In diesem Fall ist die Fähigkeit vorhanden, schwierige Herausforderungen zu bewältigen, bei der Genauigkeit besteht jedoch noch Verbesserungspotenzial.
- Beide hoch: Dies weist auf eine solide und ausgewogene Leistung mit einer präzisen und konsistenten Ausführung während der gesamten Aktivität hin.
- Beide niedrig: Dies weist sowohl auf Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Genauigkeit als auch beim Fortschritt in der Aktivität hin. Dies kann die Fachkraft dabei unterstützen, die Intervention anzupassen oder die Arbeitsstrategie neu zu gestalten.

Diese gemeinsame Betrachtung macht Performance und Score zu einem leistungsstarken Instrument, um die Stärken und Schwächen jedes Patienten zu erkennen und den Therapieplan individuell anzupassen.
Anwendungen in der klinischen Praxis
Die kombinierte Nutzung von Performance und Score ist für die tägliche Arbeit von Fachkräften in Neuropsychologie und kognitiver Rehabilitation von großem Wert.
Einerseits ermöglicht die Performance, den Schwierigkeitsgrad der Aktivitäten in Echtzeit anzupassen und auf die Genauigkeit abzustimmen, die der jeweilige Nutzer in seinen Antworten zeigt. So wird gewährleistet, dass die Aufgabe weder zu leicht noch übermäßig schwierig ist, wodurch Motivation und Engagement erhalten bleiben.
Andererseits eignet sich der Score besonders zur Bewertung des klinischen Fortschritts im Zeitverlauf. Der Vergleich der vor und nach einer neuropsychologischen Intervention erzielten Werte liefert ein objektives Maß für die Wirkung der Therapie, das über die subjektive Beobachtung hinausgeht.
Bei gemeinsamer Interpretation vermitteln beide Kennzahlen ein umfassendes Bild der kognitiven Leistung: Sie ermöglichen die Individualisierung von Trainingsprogrammen, die Anpassung der Progression von Aktivitäten und eine präzise Verlaufskontrolle jedes Patienten.
Fazit
Die korrekte Interpretation von Performance und Score ist entscheidend, um das Potenzial der digitalen kognitiven Rehabilitation auszuschöpfen. Während die Performance die Genauigkeit der Ausführung abbildet, vermittelt der Score ein Bild der globalen Fähigkeit und des Fortschritts zu komplexeren Phasen.
Bei NeuronUP macht die Kombination beider Kennzahlen Daten zu klinisch bedeutsamen Informationen. Dadurch werden individuelle Entscheidungen erleichtert und der Verlauf des Patienten kann präziser verfolgt werden.
Häufig gestellte Fragen zu Performance und Score von NeuronUP
1. Was ist der Unterschied zwischen Performance und Score von NeuronUP?
Performance und Score sind zwei Kennzahlen von NeuronUP.
Die Performance misst die globale Ausführungsqualität des Nutzers und gibt den Anteil der richtigen Antworten im Verhältnis zur Gesamtzahl der durchgeführten Versuche wieder, also unter Einbeziehung richtiger Antworten, Fehler und Auslassungen. Sie informiert somit über die globale Genauigkeit des Patienten in jeder Phase, ohne das erreichte Schwierigkeitsniveau zu berücksichtigen.
Der Score hingegen misst die globalen Fähigkeiten des Nutzers im Verlauf einer Aktivität. Er bildet somit die vollständige Entwicklung der Leistung ab. Anders als die Performance bewertet der Score nicht nur die Genauigkeit der Antworten, sondern auch die Fähigkeit, zu komplexeren Phasen fortzuschreiten. Dabei werden fortgeschrittene Phasen stärker gewichtet und vorzeitige Abbrüche sanktioniert.
2. Welcher Performance-Wert gilt in der digitalen kognitiven Rehabilitation als „gut“?
Es gibt keinen allgemeingültigen Wert, da dieser von der Aktivität, dem klinischen Profil und dem Therapieziel abhängt. Im Allgemeinen weist eine Performance nahe 1 auf eine sehr präzise Ausführung hin. Es ist jedoch wichtig, sie immer gemeinsam mit dem Score zu interpretieren, um ein vollständiges Bild der Leistung zu erhalten.
3. Warum kann ein Patient eine hohe Performance, aber einen niedrigen Score haben?
Dies geschieht, wenn der Patient in den Anfangsphasen präzise antwortet, aber nicht zu schwierigeren Phasen vordringen kann. Dieses Profil ist typisch für Personen, die die grundlegenden Anforderungen der Aufgabe beherrschen, jedoch Schwierigkeiten bekommen, sobald die kognitive Belastung steigt, zum Beispiel bei Arbeitsgedächtnis, kognitiver Flexibilität oder Verarbeitungsgeschwindigkeit.
4. Ist ein hoher Score möglich, obwohl die Performance niedrig ist?
Ja. Ein Patient kann fortgeschrittene Phasen erreichen und trotz mehrerer Fehler einen hohen Score erzielen, weil er die Fähigkeit zeigt, höhere Komplexitätsstufen zu bewältigen. Dieses Muster tritt häufig bei Nutzern mit guter Problemlösefähigkeit, aber geringer Genauigkeit auf.
5. Wie kann ich Performance und Score zur Anpassung der therapeutischen Intervention einsetzen?
Eine niedrige Performance legt nahe, an der Genauigkeit zu arbeiten oder den Schwierigkeitsgrad zu senken, während ein niedriger Score auf den Bedarf hinweisen kann, Fortschritt, Ausdauer oder exekutive Fähigkeiten zu trainieren. Die Analyse beider Kennzahlen ermöglicht eine präzisere Anpassung von Aufgaben, Dosierung und Schwierigkeitsgrad.






Reminiszenz bei Alzheimer: Innovative Techniken und Tools für die kognitive Stimulation
Schreiben Sie einen Kommentar