Die Neuropsychologin Cristina Martínez de Toda spricht über die Frage: Was ist Resilienz? und über die Merkmale resilienter Menschen.
„Ich bin ein glücklicher Mensch gewesen, im Leben ist mir nichts leichtgefallen.“
Sigmund Freud
Im Leben werden wir früher oder später alle mit schwierigen Momenten konfrontiert: der Krankheit oder dem Tod eines geliebten Menschen, einer Trennung, finanziellen Problemen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes, persönlichen Krisen …
Resilienz ist die Fähigkeit des Menschen, sich einer widrigen Situation zu stellen, sich flexibel anzupassen und gestärkt aus ihr hervorzugehen.
Resilienz ist die Fähigkeit zu akzeptieren, dass es kein hartes Leben, sondern schwierige Momente gibt.
Merkmale resilienter Menschen
Zwischen Resilienz und Widerstandsfähigkeit besteht ein subtiler Unterschied. Bei Letzterer geht es darum, unbeschadet und passiv widerstandsfähig zu bleiben. Bei Resilienz ist der Mensch nicht wie ein Fels, der den Angriffen standhält. Wenn wir von Resilienz sprechen, ist der Mensch wie Bambus: flexibel, anpassungsfähig an die widrige Situation und in der Lage, über sie hinauszuwachsen.
Resiliente Menschen sind das, was sie sind, aufgrund dessen, was sie überwinden, nicht aufgrund dessen, was sie erreichen.
Resiliente Menschen erlauben sich, sich zu erholen, lassen sich nicht besiegen, gehen mit Druck um und überwinden die Traurigkeit. Sie können trotz Problemen wachsen und mit Humor leben. Sie lernen aus Fehlern und stellen sich Problemen. Sie wissen, wie sie negative Emotionen kontrollieren und in schwierigen Momenten ihre Fähigkeiten aktivieren können.
Ein Beispiel für gemeinschaftliche Resilienz
Wir alle kennen die Tragödie, die New York in den Vereinigten Staaten am schicksalhaften 11. September 2001 erschütterte. Die US-amerikanische Bevölkerung schloss sich auf politischer und gesellschaftlicher Ebene in einer nie zuvor gesehenen Weise zusammen. Diese ausgeprägte Resilienz ist ein bewundernswertes Beispiel dafür, wie eine Gruppe von Menschen und sogar eine Nation sich nach einer Katastrophe vereinen, sich aus der Asche erheben und verwandelt neu entstehen kann.
Ein Beispiel für individuelle Resilienz
Viktor Frankl war während des Zweiten Weltkriegs zusammen mit seiner Familie und seiner Frau in einem Konzentrationslager inhaftiert. Er war der einzige Überlebende. Nach seiner Befreiung schrieb er das Buch Man’s Search for Meaning (1946).
In diesem Buch schildert er die schrecklichen Situationen und unmenschlichen Bedingungen, die er während seiner Zeit dort ertragen musste, und analysiert die menschliche Existenz auf eindrucksvolle Weise. Dabei stellt er fest, dass Menschen, die den Sinn des Lebens verloren hatten, geringere Überlebenschancen besaßen.

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Wie lässt sich Resilienz fördern?
Der Psychologin Edith H. Grotberg zufolge gibt es unterstützende Faktoren zur Förderung der Resilienz, die sich in die folgenden Dimensionen einteilen lassen:
- die innere Dimension (die innere Stärke),
- die äußere Dimension (die externen Unterstützungsfaktoren),
- die soziale Dimension (die zwischenmenschlichen Faktoren).

Die Säulen der individuellen Resilienz (Wolin&Wolin, 1993)
- die Introspektion: verstanden als die Kunst, sich selbst Fragen zu stellen und sich kritisch zu hinterfragen, mit sich selbst ins Gespräch zu kommen und sich eine ehrliche Antwort zu geben;
- die Unabhängigkeit: verstanden als die Fähigkeit, Grenzen zwischen sich selbst und den Umständen zu setzen. Sie bezieht sich auch auf die Fähigkeit, emotionale und körperliche Distanz zu wahren;
- die Beziehungsfähigkeit: Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie besteht darin, das Bedürfnis nach Zuneigung mit der Bereitschaft, sich anderen zu öffnen, in Einklang zu bringen;
- die Initiative: Freude daran, sich Herausforderungen zu stellen und sich selbst zu erproben;
- der Humor: das Gleichgewicht zwischen Komödie und Tragödie zu finden;
- die Kreativität: den eigenen Geist für neue Möglichkeiten zu öffnen;
- die Moral: verstanden als der Wunsch, das Wohlergehen aller Menschen zu fördern, und die Fähigkeit, sich diesem Wert zu verpflichten.
Der Weg zur Resilienz
Die APA (American Psychological Association) definierte nach der Tragödie des 11. September diese zehn Wege, um die Resilienz ihrer Bürger zu fördern und ihnen wirksame Instrumente zur Bewältigung von Widrigkeiten an die Hand zu geben.
Resilienz kann erlernt werden. Resilienz ist ein Prozess, keine besondere Situation und kein bestimmter Zeitpunkt. Jeder Mensch durchläuft seinen eigenen Prozess
- Verbindungen aufbauen;
- Krisen nicht als unüberwindbare Probleme betrachten;
- Veränderungen als Teil des Lebensprozesses akzeptieren;
- auf Ziele zugehen und realistische Ziele festlegen;
- angesichts von Widrigkeiten entschlossen handeln;
- nach Möglichkeiten suchen, sich selbst zu verwirklichen;
- eine positive Sicht auf sich selbst fördern;
- den Blick für die Dinge bewahren, langfristig planen und Ereignisse in einen neuen Kontext einordnen können;
- eine hoffnungsvolle Perspektive bewahren;
- für sich selbst sorgen: auf die eigenen Bedürfnisse und Gefühle achten.
„Schwierigkeiten bereiten gewöhnliche Menschen auf außergewöhnliche Bestimmungen vor.“
C.Lewis




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