Marçal Nadal de Mata untersucht wie Neurodivergenzen die rechtliche Entscheidungsfindung beeinflussen und welche Schlüsselrolle die neuropsychologische Diagnostik dabei spielt.
Was sind Neurodivergenzen und warum sind sie im rechtlichen Bereich relevant?
Der Begriff Neurodivergenz hat sich als Reaktion auf die Stigmatisierung bestimmter Diagnosen aus dem Bereich der neurodevelopmentalen Störungen und aufgrund der Erkenntnis entwickelt, dass soziale Modelle von Behinderung und stärkenorientierte Ansätze notwendig sind, um die Erfahrungen zu verstehen und das Wohlbefinden neurodivergenter Gruppen zu gewährleisten (Sonuga-Barke und Thapar, 2021).
Neurodivergenz erkennt die dem neurologischen Funktionieren von Menschen inhärente Variabilität an, die durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, kultureller und sozialer Faktoren geprägt wird. Dieses Konzept betont, dass Unterschiede in der kognitiven Verarbeitung, im Verhalten und im Umgang mit Informationen natürlich sind und zur menschlichen Vielfalt beitragen (Thorp, 2024).
Neurologische Bedingungen wie Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Dyslexie, Lernschwierigkeiten und andere neurodivergente Bedingungen sollten als Variationen des menschlichen Gehirns verstanden werden und nicht als Krankheiten, die geheilt werden müssen (Armstrong, 2015; Miranda-Ojeda und San-Juan, 2023).
Dieser Artikel behandelt, wie Neurodivergenzen rechtliche Verfahren beeinflussen können (sei es als Beschuldigte, Zeugen, Opfer oder Beteiligte an Gerichtsverfahren), und zwar aus mehreren Perspektiven: Prävalenz und Risiko im Justizsystem, Mechanismen wie Impulsivität, soziale Kognition und Verständnis von Regeln sowie die Frage, warum die neuropsychologische Diagnostik und Intervention entscheidend sind, um Rechte zu schützen und faire Entscheidungen sicherzustellen.
Neurodivergenzen und Justizsystem
Verschiedene Studien haben darauf hingewiesen, dass neurodivergente Menschen im Justizsystem überrepräsentiert sind. So wird beispielsweise geschätzt, dass Menschen mit ADHS oder neurodevelopmentalen Bedingungen in Haftkontexten deutlich häufiger vertreten sein können als in der Allgemeinbevölkerung. In einer Übersichtsarbeit wurde festgestellt, dass Menschen mit ADHS eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit haben, in das Strafjustizsystem involviert zu sein (Young und Thome, 2011).
Die Herausforderungen ergeben sich zudem nicht nur aus dem delinquenten Verhalten: Im justiziellen Umfeld (Polizei, Gerichte, Gefängnisse) gibt es einen Mangel an Identifizierung, an Schulung des Personals und an angemessenen Anpassungen für neurodivergente Menschen. Dies erklärt ebenfalls das erhöhte Risiko für Vulnerabilität und weniger gerechte Entscheidungen (Clasby et al., 2022).

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Impulsivität und Entscheidungsfindung: ADHS im Justizsystem
Eines der zentralen Merkmale von ADHS ist die Impulsivität, zusammen mit Unaufmerksamkeit und in manchen Fällen Hyperaktivität. Diese verhaltensbezogene und kognitive Impulsivität hat rechtliche Auswirkungen: geringere Hemmungsfähigkeit, stärkere Dringlichkeit unmittelbarer Belohnungen, geringere Planung und Überwachung von Konsequenzen. In diesem Zusammenhang ergab eine Studie mit Erwachsenen mit ADHS, dass sowohl Symptome von Hyperaktivität und Impulsivität als auch Unaufmerksamkeit mit einer stärkeren Beteiligung an delinquentem Verhalten im Entwicklungsverlauf zusammenhingen (Engelhardt et al., 2019).
Neuere Übersichtsarbeiten legen nahe, dass die Art der von Menschen mit ADHS begangenen Straftaten tendenziell opportunistischer und impulsiver ist und mit geringerer Planung einhergeht (Young et al., 2023). Aus der Perspektive der rechtlichen Entscheidungsfindung bedeutet dies, dass eine Person mit ADHS, die eine Straftat begangen hat, möglicherweise nicht in der Lage war, die Konsequenzen angemessen vorherzusehen oder ihr Verhalten an sozialen und rechtlichen Normen auszurichten. Dies kann sowohl die Ermittlungs- und Vernehmungsphase als auch die Verhandlung oder das Urteil beeinflussen.
Im Hinblick auf die Intervention wurde beobachtet, dass die Behandlung von ADHS (beispielsweise eine Kombination aus Medikation und Verhaltenstherapie) mit einer Verringerung delinquenten Verhaltens verbunden sein kann (Carlander et al., 2024).
Soziale Kognition, Empathie und Verständnis von Regeln: Die Herausforderung durch Autismus in der Justiz
Die soziale Kognition (die Fähigkeit, mentale Zustände, Absichten und Emotionen anderer zu erschließen) ist eine entscheidende Komponente vieler rechtlicher Entscheidungen: Schuldfähigkeit, Schuldeingeständnis, Glaubwürdigkeit von Zeugen, Einwilligungsfähigkeit und Bewertung von Normen.
Im Fall von Autismus wurde untersucht, wie diese Prozesse variieren. In einer Studie wurden Erwachsene mit hochfunktionalem Autismus und Kontrollpersonen bei moralischen Urteilen verglichen. Beim einfachen Verhalten wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt, jedoch Unterschiede bei der Gehirnaktivierung: In der ASS-Gruppe war die Aktivierung der Amygdala und anderer mit Empathie verbundener Hirnregionen geringer (Schneider et al., 2013).
Andere Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit ASS subtile Unterschiede in einigen moralischen Grundlagen aufweisen; beispielsweise eine stärkere Betonung der Systematisierung gegenüber der kognitiven Empathie (Greenberg et al., 2024).
Darüber hinaus wurde bei auf sozialen Normen basierenden Schlussfolgerungsaufgaben beobachtet, dass Kinder und Jugendliche mit ASS soziale Regeln kennen können, sie jedoch tendenziell rigider anwenden und weniger flexibel bei der Verarbeitung komplexer Absichten oder mentaler Zustände sind (Komeda et al., 2016).
Diese Unterschiede haben Auswirkungen im rechtlichen Kontext. Eine autistische Person kann beispielsweise die schriftliche Regel verstehen, aber möglicherweise die Absicht des Gegenübers nicht vollständig vorhersehen, die menschlichen Auswirkungen nicht angemessen einschätzen oder die vom Rechtssystem zugelassene Flexibilität nicht verstehen. Auch als Zeuge oder Opfer kann sie Schwierigkeiten haben, das Verfahren zu verarbeiten, zu verstehen, was von ihr erwartet wird, oder sich so auszudrücken, dass dies als „normal“ wahrgenommen wird. Daher muss die neuropsychologische Diagnostik diese Bereiche der sozialen Kognition, des Regelverständnisses und der Flexibilität bei der Entscheidungsfindung einschließen.
Verständnis rechtlicher Regeln und Handlungsfähigkeit
Die vollständige und faire Beteiligung einer Person an einem Gerichtsverfahren setzt voraus, dass sie das Verfahren, ihre Rechte und die Konsequenzen versteht und sich verständlich mitteilen sowie sinnvoll beteiligen kann. Im Kontext von Neurodivergenzen können diese Fähigkeiten durch Unterschiede in der Kognition, der sozialen Verarbeitung oder der Aufmerksamkeit beeinträchtigt sein. So weist ein Leitfaden für gute Praxis an Gerichten darauf hin, dass sich neurodivergente Beteiligte in einem gerichtlichen Umfeld, das einen „neurotypischen“ Kommunikationsstil erwartet, ängstlich, verwirrt oder unverstanden fühlen können (Family Justice Council, 2025).
Auch in familienrechtlichen Verfahren zeigt sich, dass die „affektive Beteiligung“ voraussetzt, dass die Person die Art des Verfahrens und die Rechte, die ausgeübt werden, versteht. Dies kann bei Menschen mit ASS, ADHS oder anderen Neurodivergenzen beeinträchtigt sein (The Michael Sieff Foundation, 2025).
Im Rahmen der forensischen neuropsychologischen Diagnostik ist es besonders wichtig, die kognitiven und voluntativen Fähigkeiten (die Fähigkeit, das Verhalten zu verstehen, zu lenken und zu kontrollieren), die exekutiven Funktionen (Planung, Inhibition, Entscheidungsfindung), Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie die soziale Kognition der Person zu beurteilen. Diese Funktionen wirken sich unmittelbar darauf aus, ob eine Person aussagen, einwilligen oder fair vor Gericht gestellt werden kann. Andererseits können Justizsysteme Anpassungen (beispielsweise vereinfachte Sprache, Pausen oder visuelle Unterstützung) benötigen, um sicherzustellen, dass neurodivergente Menschen gleichberechtigt sind.
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Forensische neuropsychologische Diagnostik: Gleichheit in rechtlichen Verfahren gewährleisten
Die Neuropsychologie spielt in rechtlichen Verfahren mit Bezug zu Neurodivergenzen eine grundlegende Rolle. Zu den Implikationen gehören:
- Früherkennung und Identifizierung: Im Justizsystem wird empfohlen, ein Screening auf neurodevelopmentale Bedingungen durchzuführen, damit neurodivergente Profile erkannt und die Verfahren angepasst werden können (Clasby et al., 2022).
- Neuropsychologische Diagnostik: mit Schwerpunkt auf Aufmerksamkeit, Gedächtnis, exekutiven Funktionen, sozialer Kognition, Regelverständnis, Impulsivität und Verständnis von Konsequenzen. Diese Diagnostik sollte Instrumente zur Erkennung von Simulation und Dissimulation umfassen.
- Stärkenorientierte Intervention: Über das „Defizitmodell“ hinaus sollte ein neurodiversitätsorientierter Ansatz verfolgt werden, der unterschiedliche Fähigkeiten und erforderliche angemessene Anpassungen anerkennt.
- Verfahrensanpassungen: beispielsweise strukturierte Sprache, Pausen, Piktogramme, sachverständige Zeugen und verlängerte Zeiten. Ohne diese Anpassungen kann die Justiz für neurodivergente Menschen beeinträchtigt sein (Washington State Supreme Court Disability Justice Task Force, 2025).
- Schulung und Sensibilisierung des Justizpersonals: Richter, Anwälte, Polizei und Justizvollzugsdienste benötigen Schulungen, um zu verstehen, wie Neurodivergenz Verhalten, Kommunikation und rechtliche Entscheidungsfindung beeinflussen kann (Criminal Justice Joint Inspection, 2021).
- Frühzeitige Intervention bei ADHS als Schutzfaktor: Die Evidenz zeigt, dass die Behandlung von ADHS das Risiko delinquenten Verhaltens verringert. Dies deutet darauf hin, dass eine frühzeitige Intervention im rechtlichen Bereich eine präventive Rolle spielt (Carlander et al., 2024).
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Fazit: Auf dem Weg zu einem inklusiven und neuroinformierten Justizsystem
Neurodivergenzen bringen im justiziellen Kontext und bei der rechtlichen Entscheidungsfindung spezifische Herausforderungen mit sich: von einer höheren Vulnerabilität für den Kontakt mit dem Strafjustizsystem bis hin zu Barrieren für eine vollständige und gleichberechtigte Beteiligung an Gerichtsverfahren. Zu den beteiligten Mechanismen gehören Impulsivität (insbesondere bei ADHS), Unterschiede in sozialer Kognition und Empathie (ASS) sowie Schwierigkeiten beim Verständnis von Regeln, bei Planung und Aufmerksamkeit, die das rechtliche Verständnis beeinträchtigen. Daher erleichtert die Einführung eines neurodiversitätsorientierten Ansatzes (der neurologische Unterschiede als menschliche Variationen und nicht ausschließlich als „Pathologien“ anerkennt) die Umsetzung umfassender neuropsychologischer Diagnostik, geeigneter Verfahrensanpassungen und frühzeitiger Interventionen, die das Wohlbefinden neurodivergenter Menschen, die Gerechtigkeit, die Gleichheit und die rechtlichen Ergebnisse verbessern können.
Literaturverzeichnis
- Armstrong, T. (2015). The Myth of the Normal Brain: Embracing Neurodiversity. AMA Journal of Ethics, 17(4), 348-352. https://journalofethics.ama assn.org/article/myth-normal-brain-embracing-neurodiversity/2015-04
- Carlander, A., Rydell, M., Kataoka, H., Hildebrand Karlén, M., & Lindqvist Bagge, A. S. (2024). A Remedy for Crime? A Systematic Review on the Effects of Pharmacological ADHD Treatment on Criminal Recidivism and Rehabilitation in Inmates With ADHD. Brain and behavior, 14(11), e70120. https://doi.org/10.1002/brb3.70120
- Clasby, B., Mirfin-Veitch, B., Blackett, R., Kedge, S., & Whitehead, E. (2022). Responding to neurodiversity in the courtroom: A brief evaluation of environmental accommodations to increase procedural fairness. Criminal behaviour and mental health: CBMH, 32(3), 197–211. https://doi.org/10.1002/cbm.2239
- Criminal Justice Joint Inspection (2021). Neurodiversity in the criminal justice system: a review of evidence. https://share.google/KWHw0row8cBYX72LN
- Engelhardt, P. E., Nobes, G., & Pischedda, S. (2019). The Relationship between Adult Symptoms of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and Criminogenic Cognitions. Brain sciences, 9(6), 128. https://doi.org/10.3390/brainsci9060128
- Family Justice Council (2025). Family Justice Council Guidance on Neurodiversity in the Family Justice System for Practitioners. https://share.google/f4ZU8LF4RZrMuEqoW
- Greenberg, Y. D. M., Holt, R., Allison, C., Smith, P., Newman, R., Boardman Pretty, T., Haidt, J., & Baron-Cohen, S. (2024). Moral foundations in autistic people and people with systemizing minds. Molecular autism, 15(1), 20. https://doi.org/10.1186/s13229-024-00591-8
- Komeda, H., Osanai, H., Yanaoka, K. et al. (2016). Decision making processes based on social conventional rules in early adolescents with and without autism spectrum disorders. Nature, Scientific Reports 6, 37875. https://doi.org/10.1038/srep37875
- Miranda Ojeda, R., & San-Juan, D. (2023). Letter to the Editor Concerning „Evolution and Medical Implications of Neurodiversity: Where Must We Go?“. Journal of autism and developmental disorders, 53(6), 2529–2530. https://doi.org/10.1007/s10803-022-05556-5
- Schneider, K., Pauly, K. D., Gossen, A., Mevissen, L., Michel, T. M., Gur, R. C., Schneider, F., & Habel, U. (2013). Neural correlates of moral reasoning in autism spectrum disorder. Social cognitive and affective neuroscience, 8(6), 702–710. https://doi.org/10.1093/scan/nss051
- Sonuga-Barke, E., & Thapar, A. (2021). The neurodiversity concept: is it helpful for clinicians and scientists? The lancet. Psychiatry, 8(7), 559–561. https://doi.org/10.1016/S2215-0366(21)00167-X
- The Michael Sieff Foundation (2025). Justice for children with SEND & neurodivergence. https://share.google/CstUT1xyXOyDGc6mx
- Thorp H. H. (2024). Science needs neurodiversity. Science (New York, N.Y.), 384(6694), 365. https://doi.org/10.1126/science.adq0060
- Young, S., Cocallis, K., Lane, C., & Chong, M. D. (2023). Overview of Offenders with Attention Deficit Hyperactivity Disorder. In J. M. McCarthy, R. T. Alexander, & E. Chaplin (Eds.), Forensic Aspects of Neurodevelopmental Disorders: A Clinician’s Guide (pp. 34–47). chapter, Cambridge: Cambridge University Press.
- Young, S., & Thome, J. (2011). ADHD and offenders. The world journal of biological psychiatry : the official journal of the World Federation of Societies of Biological Psychiatry, 12 Suppl 1, 124–128. https://doi.org/10.3109/15622975.2011.600319
- Washington State Supreme Court Disability Justice Task Force (2025). Supporting Individuals with Autism in Court: Tools and Strategies for Effective Support. https://share.google/3UMT1tX7b8FwzS70B
Häufig gestellte Fragen zu Neurodivergenzen und rechtlicher Entscheidungsfindung
1. Was bedeutet das Konzept der Neurodivergenz im rechtlichen Bereich?
Der Begriff Neurodivergenz bezeichnet natürliche Variationen der Gehirnfunktion, die Aufmerksamkeit, Impulsivität, soziale Kognition und Regelverständnis beeinflussen. Im rechtlichen Bereich ist die Anerkennung dieser Unterschiede entscheidend, um faire und zugängliche Gerichtsverfahren für alle Menschen zu gewährleisten.
2. Wie können Neurodivergenzen die rechtliche Entscheidungsfindung beeinflussen?
Verschiedene Studien haben darauf hingewiesen, dass neurodivergente Menschen im Justizsystem überrepräsentiert sind. So wird beispielsweise geschätzt, dass Menschen mit ADHS oder neurodevelopmentalen Bedingungen in Haftkontexten deutlich häufiger vertreten sein können als in der Allgemeinbevölkerung. Eine Übersichtsarbeit zeigte, dass Menschen mit dieser neurodevelopmentalen Störung eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit haben, in das Strafjustizsystem involviert zu sein.
3. Wie beeinflusst ADHS die rechtliche Entscheidungsfindung?
Die für ADHS charakteristische Impulsivität kann die Fähigkeit beeinträchtigen, zu planen, Konsequenzen vorherzusehen oder Reaktionen zu hemmen. Diese kognitiven Unterschiede können das rechtlich relevante Verhalten beeinflussen und müssen durch eine forensische neuropsychologische Diagnostik beurteilt werden, um verhältnismäßige und faire Gerichtsentscheidungen sicherzustellen.
4. Wie kann Autismus die Beteiligung an einem Gerichtsverfahren beeinträchtigen?
Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) können Schwierigkeiten bei der sozialen Kognition, der kognitiven Empathie oder der flexiblen Auslegung von Regeln aufweisen. Dies kann während Vernehmungen oder Aussagen zu Missverständnissen führen. Daher ist es wichtig, Sprache und gerichtliches Umfeld an ihre Bedürfnisse anzupassen.
5. Welche Rolle spielt die forensische Neuropsychologie in der Justiz?
Die forensische Neuropsychologie beurteilt die kognitiven und emotionalen Funktionen, die am Verständnis, an der Entscheidungsfindung und an der Verhaltenskontrolle beteiligt sind. Ihre Gutachten helfen Richtern und Anwälten, die tatsächlichen Fähigkeiten einer neurodivergenten Person einzuordnen und Anpassungen oder Behandlungen zu empfehlen, die rechtliche Gleichheit fördern.
6. Welche Anpassungen können für neurodivergente Menschen an Gerichten umgesetzt werden?
Zu den empfohlenen Verfahrensanpassungen gehören klare und strukturierte Sprache, Pausen während der Vernehmungen, visuelle Unterstützung, spezialisierte Dolmetscher und die Anwesenheit von Fachkräften mit Expertise in Neurodiversität. Diese Maßnahmen fördern eine zugänglichere und inklusivere Justiz.
7. Warum ist ein neurodiversitätsorientierter Ansatz in der Justiz wichtig?
Ein neurodiversitätsorientierter Ansatz bedeutet anzuerkennen, dass neurologische Unterschiede keine Defizite, sondern menschliche Variationen sind. Dieser Ansatz fördert eine neuroinformierte Justiz, die die kognitiven Besonderheiten jeder Person berücksichtigt und Verfahren anpasst, um Chancengleichheit und die Achtung der Menschenrechte zu gewährleisten.







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