Die Neuropsychologin und Psychotherapeutin Cesia Argumedo zeigt, wie sich die emotionalen Auswirkungen von Lernschwierigkeiten durch neuropsychologische Diagnostik, Psychotherapie und kognitive Rehabilitation angehen lassen.
Diese klinische Zusammenfassung analysiert die emotionalen Auswirkungen von Lernschwierigkeiten und hebt die neuropsychologische Diagnostik als zentrale therapeutische Intervention hervor, um das Leiden der Patientinnen und Patienten zu validieren und Misserfolgsnarrative zu verändern. Außerdem wird ein ganzheitlicher Ansatz vorgeschlagen, der Psychotherapie – zur Bewältigung von Angst und zur Stärkung des Selbstwertgefühls – mit evidenzbasierter kognitiver Rehabilitation verbindet. Abschließend wird der strategische Wert von Gamification und Tele-Rehabilitation über Plattformen wie NeuronUP betont, um Ermüdung zu verringern, die Motivation aufrechtzuerhalten und klinische Fortschritte langfristig zu festigen.
Wie wirken sich Lernschwierigkeiten auf die psychische Gesundheit aus?
Lernschwierigkeiten – etwa Dyslexie, Dyskalkulie oder ADHS – werden nicht nur als akademische Herausforderung erlebt. Häufig erfahren Betroffene sie als wiederholte Abfolge von Anstrengung ohne Belohnung in einem Umfeld, in dem Leistung ständig verglichen, gemessen und sichtbar gemacht wird. Mit der Zeit hinterlässt diese Erfahrung eine emotionale Spur, die sich in den verschiedenen Lebensphasen nicht immer gleich ausdrückt, sondern sich je nach Alter, Kontext und den Erklärungen verändert, die die Person für das eigene Erleben erhalten hat.
Um diese Diskussion zu strukturieren, ist es sinnvoll, drei Ebenen zu betrachten, die sich in der klinischen Praxis überschneiden:
- erstens, wie Lernschwierigkeiten das emotionale Erleben beeinflussen;
- zweitens, wie die neuropsychologische Diagnostik dieses Erleben validieren und neu ordnen kann;
- und drittens, wie Psychotherapie, kognitive Rehabilitation und Technologie nachhaltige Veränderungen unterstützen können.
Frustration und schulischer Stress bei Kindern und Jugendlichen
Eine von Nelson und Harwood (2011) durchgeführte Übersicht mehrerer Studien ergab, dass Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten signifikant höhere Angstwerte als Gleichaltrige aufweisen – ein Befund, der über verschiedene Studien und Altersgruppen hinweg konsistent ist. In der klinischen Praxis tritt diese Angst selten als allgemeines Merkmal auf: Sie konzentriert sich meist auf konkrete Leistungssituationen – Prüfungen, lautes Lesen, zeitlich begrenzte Aufgaben –, was darauf hindeutet, dass es sich um eine erlernte und situationsabhängige Reaktion handelt, die grundsätzlich durch eine geeignete Intervention verändert werden kann.
Im Kindesalter äußert sich diese Angst oft indirekt: durch Bauch- oder Kopfschmerzen vor dem Schulbesuch, Widerstand oder Weinen bei den Hausaufgaben, aktives Vermeiden des Vorlesens oder Gereiztheit, die gelegentlich als „schlechtes Benehmen“ missverstanden wird, obwohl sie in Wirklichkeit eine Frustrationsreaktion auf eine Anforderung ist, die das Kind nicht erfüllen kann.
In der Adoleszenz verändert sich das Erscheinungsbild: Eine Fassade des Desinteresses tritt häufiger auf („Die Schule ist mir egal“, „Warum soll ich mich anstrengen?“), die als Schutzmechanismus dient. Es ist weniger schmerzhaft, den Eindruck zu erwecken, dass es einem egal ist, als sich ehrlich anzustrengen und trotzdem zu scheitern.
Hinzu kommt eine Komponente des Selbstwertgefühls, die vom ängstlichen Befinden unterschieden werden sollte. Alesi, Rappo und Pepi (2012) dokumentierten ein geringeres schulbezogenes Selbstwertgefühl bei Kindern mit Lernschwierigkeiten. Dieser Befund ist wichtig, weil das geringe Selbstwertgefühl häufig auf den schulischen Bereich begrenzt ist und ohne Widerspruch mit einem intakten oder sogar hohen Selbstwertgefühl in anderen Lebensbereichen des Kindes einhergehen kann, etwa im Sport, in der Kunst oder in Freundschaften.
Diese Nuance hat eine unmittelbare klinische Bedeutung: Bewertet eine Fachkraft das Selbstwertgefühl global und findet es „normal“, kann sie ein spezifisches und bedeutsames Leiden übersehen, das erst bei einer detaillierten Exploration des schulischen Erlebens sichtbar wird.
Die emotionale Belastung einer späten Diagnose bei Erwachsenen mit Lernschwierigkeiten
Wird die Schwierigkeit in der Kindheit nicht erkannt, verschwindet sie nicht: Sie wird in die persönliche Lebensgeschichte eingeordnet. Undheim (2003) stellte in einer Längsschnittuntersuchung junger Erwachsener mit Dyslexie in der Vorgeschichte höhere Raten emotionaler Probleme und ein geringeres psychosoziales Wohlbefinden bei denjenigen fest, die während ihrer Schulzeit keine rechtzeitige Unterstützung erhalten hatten.
Ohne eine Sprache, um ihre Schwierigkeiten zu benennen, wuchsen viele dieser Erwachsenen mit nur einer verfügbaren Erklärung auf: Sie strengten sich einfach nicht genug an oder seien nicht so fähig wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Diese Erklärung kann sich trotz ihrer Unwahrheit ebenso stark – oder noch stärker – festsetzen wie eine echte Diagnose, gerade weil sie niemand rechtzeitig infrage gestellt hat.
Deshalb führt die Diagnose im Erwachsenenalter häufig zu einer doppelten Reaktion:
- Einerseits zu einer unmittelbaren und echten Erleichterung, endlich eine schlüssige Erklärung für Schwierigkeiten zu finden, die sich durch die gesamte Schulzeit und oft auch durch das Berufsleben gezogen haben.
- Andererseits zu etwas, das einer Trauer ähnelt: Die Person muss die Zeit, die Chancen und das Selbstwertgefühl verarbeiten, die unter einem falschen Narrativ über die eigenen Fähigkeiten zurückblieben.
Livingston, Siegel und Ribary (2018) weisen darauf hin, dass diese emotionale Auswirkung fortbestehen kann, selbst wenn die Person im Laufe der Jahre wirksame Kompensationsstrategien für schulische oder berufliche Aufgaben entwickelt hat. Dies bestätigt, dass das Leiden nicht allein von der aktuellen Leistung abhängt, sondern von der erzählerischen Verletzung, die dadurch entstanden ist, dass früher keine Erklärung vorhanden war.
Für Fachkräfte, die Erwachsene untersuchen, ergibt sich daraus eine konkrete klinische Konsequenz: Die Rückmeldung der Diagnose sollte bei dieser Personengruppe ausdrücklich Raum für die Verarbeitung der bisherigen Lebensgeschichte enthalten und sich nicht auf die Erklärung des aktuellen kognitiven Profils beschränken – etwas, das bei Kindern in der Regel noch nicht in derselben Tiefe aufgearbeitet werden muss.
Neuropsychologische Diagnostik: emotionales Leiden bei Lernschwierigkeiten validieren
Das individuelle kognitive Profil verstehen, um Schuldgefühle zu verringern
Hier liegt meines Erachtens einer der spezifischsten Beiträge, die die Neuropsychologie zur Psychotherapie leisten kann: Eine gut vermittelte Rückmeldung zum kognitiven Profil kann für das Kind oder den Jugendlichen als Instrument zur kausalen Neuattribuierung dienen.
Um zu verstehen, warum das wichtig ist, muss man von einem klassischen Befund ausgehen. Licht, Kistner, Ozkaragoz, Shapiro und Clausen (1985) beschrieben, wie Kinder mit Lernschwierigkeiten einen spezifischen Attributionsstil entwickeln: Sie führen Misserfolge auf interne, stabile und globale Ursachen zurück („Ich bin dumm“, „Ich werde das nie können“) und Erfolge auf externe und instabile Ursachen („Ich hatte Glück“). Klinisch relevant ist, dass dieses Muster auch dann fortbesteht, wenn das Kind Erfolg hat – dadurch unterscheidet es sich von einem einfachen vorübergehend geringen Selbstwertgefühl und erklärt, warum allgemeines positives Feedback („Das hast du sehr gut gemacht!“) häufig abprallt, ohne das innere Narrativ zu verändern.
Butkowsky und Willows (1980) zeigten außerdem, dass Kinder mit geringer Lesefähigkeit bei Schwierigkeiten weniger ausdauernd sind und bereits zu Beginn einer Aufgabe niedrigere Erfolgserwartungen haben – ein Muster, das mit dieser spezifischen Form erlernter Hilflosigkeit vereinbar ist.
Genau hier kann die neuropsychologische Diagnostik direkt auf die drei Bestandteile dieses Musters einwirken. Wenn ein Kind versteht, dass seine langsame Lesegeschwindigkeit einem spezifischen phonologischen Verarbeitungsprofil entspricht – und nicht einem Mangel an Intelligenz oder Anstrengung –, ist die Attribution nicht mehr internal („Ich bin das Problem“), sondern bezieht sich auf ein anderes Verarbeitungsprofil. Sie ist nicht mehr global („Ich tauge zu nichts“), sondern spezifisch („Das fällt mir besonders schwer“), und sie fühlt sich nicht mehr stabil an, weil eine erkannte Ursache den Weg für eine Intervention eröffnet. So wird die diagnostische Rückmeldung, wenn sie auf diese Weise vermittelt wird, zu einem zentralen klinischen Moment und nicht zu einer bloßen Verwaltungsformalität.
Differenzialdiagnostik und Komorbidität mit Angststörungen oder Depressionen
Die neuropsychologische Diagnostik erfüllt auch eine differenzialdiagnostische Funktion, da sie unterscheiden kann, welcher Anteil der beobachteten Minderleistung dem zugrunde liegenden kognitiven Profil entspricht und welcher Anteil auf zusätzliche Angst oder depressive Symptome zurückgeht, die diese Leistung wiederum weiter verschlechtern.
In der Praxis ist diese Trennung nicht immer einfach, da ein Kind mit nicht diagnostizierter Dyslexie und ein Kind mit einer klinisch relevanten Angststörung im Unterricht sehr ähnlich erscheinen können: mit Konzentrationsproblemen, der Vermeidung bestimmter Aufgaben und anhaltend schwachen Leistungen beim Lesen oder in Mathematik.
Die Unterscheidung wird noch schwieriger, weil beide Störungsbilder bei derselben Person häufig gemeinsam auftreten. Willcutt und Pennington (2000) fanden signifikant erhöhte Komorbiditätsraten zwischen Leseschwierigkeiten sowie Angst- und affektiven Störungen im Vergleich zu Personen ohne Lernschwierigkeiten. Damit bestätigt sich, dass die klinisch relevante Frage fast nie lautet: „Handelt es sich um ein kognitives oder um ein emotionales Problem?“ Vielmehr geht es darum: „In welchem Ausmaß ist jeder Anteil vorhanden, und wie beeinflussen sie sich in diesem individuellen Fall gegenseitig?“
Diese Unterscheidung ist nicht bloß akademischer Natur, sondern gibt wesentliche Teile des Interventionsplans vor:
- Wird die Minderleistung vor allem durch das grundlegende kognitive Profil erklärt, steht das entsprechende spezifische Training im Vordergrund.
- Sind Angst oder depressive Symptome der vorherrschende Anteil, sollte die Psychotherapie an erster Stelle stehen, da jedes kognitive Training sonst auf ein Nervensystem trifft, das nicht in der Lage ist, davon zu profitieren.
Und im häufigsten Szenario der klinischen Praxis – wenn beide Anteile vorhanden sind und sich gegenseitig verstärken – muss der Plan parallel voranschreiten, wobei sich die Gewichtung im Verlauf des Falls verändern kann und wahrscheinlich auch sollte.
Ganzheitliche Intervention: Psychotherapie und kognitive Rehabilitation bei Lernschwierigkeiten
Psychotherapeutischer Ansatz bei Selbstwertgefühl und Erwartungsangst
Sobald das Attributionsmuster erkannt ist, kann die psychotherapeutische Arbeit gezielt darauf ausgerichtet werden, es aufzubrechen, anstatt Selbstwertgefühl oder Angst allgemein zu behandeln. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist hier besonders hilfreich, weil sie das Kind nicht auffordert, eine tatsächlich vorhandene Schwierigkeit zu leugnen. Vielmehr lernt es, Abstand von Gedanken wie „Ich bin dumm“ zu gewinnen, zu verstehen, dass ein Gedanke weder eine Tatsache noch ein Urteil ist, und entsprechend den eigenen Werten zu handeln – sich anzustrengen, teilzunehmen und es zu versuchen –, auch wenn der unangenehme Gedanke weiterhin vorhanden ist.
Hayes, Luoma, Bond, Masuda und Lillis (2006) vertreten die Auffassung, dass diese Arbeit an der psychologischen Flexibilität relevant ist, wenn die Ursache des Leidens weder durch Vermeidung gelöst werden kann noch sollte. Bei einer tatsächlichen Lernschwierigkeit reicht anderes Denken nicht aus, damit das Problem verschwindet. Verändern lässt sich jedoch die Beziehung, die die Person zu dieser Schwierigkeit hat.
Die Erwartungsangst vor Leseaufgaben, zeitlich begrenzten Prüfungen oder der Möglichkeit, vor Mitschülerinnen und Mitschülern bloßgestellt zu werden, spricht gut auf eine eher verhaltensorientierte, schrittweise und geplante Exposition gegenüber diesen Situationen an. Dabei beginnt man mit wenig belastenden Varianten und steigert den Schwierigkeitsgrad, sobald das Kind mehr Toleranz entwickelt.
Dieser Bestandteil profitiert von einer Begleitung durch ein spezifisches Training der Emotionsregulation; die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) bietet dafür konkrete Instrumente. Miller, Rathus und Linehan (2007) entwickelten Protokolle – ursprünglich für Jugendliche mit hohem Risiko für suizidales Verhalten und Selbstverletzung, deren Fertigkeiten zur Emotionsregulation jedoch breit übertragbar sind –, die lehren, Emotionen zu benennen, ihre Funktion zu erkennen und effektiv statt reaktiv zu reagieren. Das ist besonders nützlich für Jugendliche, die gelernt haben, schulische Frustration durch Vermeidung, explosive Reaktionen oder Rückzug zu bewältigen.
Schließlich kann die kognitive Umstrukturierung der Kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) gezielt auf die zuvor beschriebenen Erfolgs- und Misserfolgsattributionen angewendet werden. Sie hilft Kindern und Jugendlichen zu erkennen, wann sie in internen, stabilen und globalen Kategorien denken, und alternative, spezifischere und realistischere Erklärungen einzuüben, die durch die Informationen aus der neuropsychologischen Diagnostik gestützt werden.
Die Kombination dieser drei Ansätze – psychologische Flexibilität, Emotionsregulation und Umstrukturierung von Attributionen – zielt darauf ab, nicht die Lernschwierigkeit oder das damit verbundene Leiden zu beseitigen, sondern zu verhindern, dass sich dieses Leiden verallgemeinert und schließlich mehr Raum im Leben des Kindes einnimmt als die ursprüngliche Schwierigkeit.
Evidenzbasierte Strategien der kognitiven Stimulation
Parallel zur psychotherapeutischen Arbeit bleibt ein zielgerichtetes kognitives Training erforderlich. Es soll die emotionale Arbeit nicht ersetzen, sondern erfüllt eine Funktion, die Psychotherapie allein nicht abdecken kann: Es liefert dem Kind konkrete und überprüfbare Belege für Fortschritte. Genau diese Belege stärken in der Praxis und nicht nur durch Worte das neue attributionale Narrativ, das in der Therapie aufgebaut wird – denn einem Kind zu sagen „Du kannst dich verbessern“ ist etwas anderes, als ihm Woche für Woche zu zeigen, dass es sich bei etwas Messbarem tatsächlich verbessert.
Die Art des Trainings muss dem in der Diagnostik festgestellten Profil entsprechen und darf nicht allgemein angewendet werden:
- Wenn die phonologische Komponente vorherrscht, haben strukturierte Programme wie Orton-Gillingham in Übersichten mehrerer Studien signifikante Verbesserungen gezeigt (Galuschka et al., 2014), indem sie die Zuordnung von Lauten und Buchstaben systematisch trainieren.
- Wenn die Hauptschwierigkeit in der Lesegeschwindigkeit und -flüssigkeit liegt, kann wiederholtes Lesen unter Zeitvorgabe – das wiederholte Lesen desselben Textes mit abgestuftem Schwierigkeitsgrad – die Lesegeschwindigkeit innerhalb weniger Wochen messbar steigern (Therrien, 2004) und damit genau jene greifbaren Fortschritte ermöglichen, die die neue kausale Attribution stärken.
- Wenn das Profil eine Beeinträchtigung der exekutiven Funktionen umfasst, untersuchten Diamond und Lee (2011) verschiedene Interventionen – vom strukturierten Training bis zu bestimmten spielerischen und körperlichen Aktivitäten –, die Arbeitsgedächtnis, Inhibition und kognitive Flexibilität bei Kindern verbessern können. Diese Fähigkeiten unterstützen zudem die Selbstregulation, die für einen reibungsloseren Fortschritt der psychotherapeutischen Arbeit erforderlich ist.
Es ist die Kombination beider Arbeitslinien und nicht eine von ihnen allein, die den Kreislauf zwischen kognitiver Schwierigkeit und emotionalem Leiden tatsächlich durchbricht. Kognitives Training ohne emotionale Intervention lässt das Misserfolgsnarrativ unangetastet, das den Fortschritt sabotieren kann; emotionale Arbeit ohne kognitives Training droht auf der Ebene von Worten zu bleiben, ohne die konkreten Erfolge, die die neue Sichtweise auf die eigene Schwierigkeit in der Praxis glaubwürdig machen.
Die Rolle der Technologie bei Neurorehabilitation und Motivation im Umgang mit Lernschwierigkeiten
Gamification zur Verringerung kognitiver und emotionaler Ermüdung
Ein anhaltendes kognitives Training kann selbst eine zusätzliche Quelle von Ermüdung und Frustration sein, wenn es als Verlängerung der schulischen Aufgabe erlebt wird, die bereits Unwohlsein auslöst. Hier bietet Gamification einen anderen Arbeitsweg.
Sailer und Homner (2020) werteten die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zur Gamification des Lernens zusammenfassend aus und fanden moderate positive Effekte sowohl auf kognitive als auch auf motivationale Ergebnisse, insbesondere wenn das Design unmittelbares Feedback und ein sichtbares Fortschrittsgefühl umfasst – Elemente, die außerdem helfen, dem im vorherigen Abschnitt beschriebenen Misserfolgsnarrativ direkt entgegenzuwirken.
Plattformen wie NeuronUP integrieren dieses Prinzip, indem sie das kognitive Training in Form interaktiver und aufeinander aufbauender Aktivitäten strukturieren. Dadurch kann das Kind kleine, konkrete und häufige Erfolge erleben, statt der Erfahrung von Anstrengung ohne Belohnung, die den traditionellen Schulaufgaben so oft innewohnt.
Dennoch lohnt sich eine nüchterne Betrachtung. Wie Simons et al. (2016) in ihrer kritischen Übersicht zu Gehirntrainingsprogrammen warnen, wird nicht jeder innerhalb einer gamifizierten Plattform erzielte Gewinn automatisch auf andere Kontexte übertragen. Daher funktionieren diese Instrumente besser als Ergänzung eines umfassenderen klinischen Plans und nicht als alleinige Intervention.

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Tele-Rehabilitation und Behandlungskontinuität aus der Ferne
Die Tele-Rehabilitation löst außerdem ein praktisches Problem, das sich direkt auf die emotionale Situation auswirkt: die Unterbrechung der Behandlung durch geografische oder zeitliche Hindernisse, die selbst Frustration und das Gefühl des Stillstands auslösen kann.
Das ist in lateinamerikanischen Kontexten besonders relevant, da viele Familien beträchtliche Entfernungen zurücklegen oder von der beruflichen Verfügbarkeit einer Betreuungsperson abhängig sein müssen, um einen Termin vor Ort wahrzunehmen. Jede verpasste Sitzung ist nicht nur eine Sitzung weniger, sondern eine Unterbrechung der Kontinuität eines Prozesses, der – wie gesehen – über längere Zeit aufrechterhalten werden muss, damit sich kognitive und emotionale Arbeit gegenseitig verstärken.
Camden und Silva (2021) untersuchten die Ausweitung der pädiatrischen Tele-Rehabilitation und stellten fest, dass dieses Format neben der Überwindung geografischer Zugangsbarrieren eine gleichmäßigere Interventionsfrequenz ermöglicht, einen Faktor, den die Evidenz mit besseren Ergebnissen bei zielgerichtetem kognitivem Training verbindet. Die Fortsetzung des Trainings aus der Ferne – was Plattformen wie NeuronUP durch zugängliche Sitzungen und Übungen ermöglichen – erleichtert genau diese Konstanz und vermeidet mehrwöchige Lücken, die ein ausschließlich persönliches Format verursachen kann, wenn unerwartete Probleme bei Anfahrt, Arbeitszeiten der Eltern, Wetter oder Entfernung in ländlichen Gebieten auftreten.
Diese Kontinuität ist kein rein logistischer Vorteil, sondern stützt die Fortschritte, die in der zuvor beschriebenen emotionalen Arbeit erzielt wurden. Ein Kind, das beginnt, ein anderes Attributionsnarrativ aufzubauen, muss weiterhin regelmäßig konkrete Belege für Fortschritte erhalten. Eine längere Unterbrechung des kognitiven Trainings stoppt nicht nur den Fortschritt, sondern kann auch das alte Narrativ „Es hat sowieso keinen Sinn, es zu versuchen“ wieder öffnen – genau das Muster, das der gesamte therapeutische Prozess auflösen sollte.
Schlussfolgerungen für den klinischen Alltag
Wenn dieser Artikel eine Idee vermitteln soll, dann die, dass sich die emotionalen Auswirkungen von Lernschwierigkeiten nicht durch mehr Zuwendung oder allgemeines positives Feedback lösen lassen, sondern durch die Unterbrechung des Attributionsnarrativs, das das Kind über Jahre der Anstrengung ohne Ergebnis aufgebaut hat. Alles Weitere – differenzialdiagnostische Abklärung, Psychotherapie, kognitives Training und Technologie – erfüllt seine Funktion insofern, als es diesem zentralen Ziel dient.
Dies definiert die Rolle der neuropsychologischen Diagnostik neu: Sie ist nicht länger ein vorbereitender Schritt vor der „eigentlichen“ Intervention, sondern wird selbst zur Intervention – in dem Moment, in dem ein Kind erstmals eine Erklärung für seine Schwierigkeit hört, die es nicht verurteilt. Von da an ist jedes Element – die Psychotherapie zur Arbeit an psychologischer Flexibilität und Emotionsregulation, das kognitive Training als greifbarer Beleg für Fortschritt und die Technologie zur Aufrechterhaltung der Prozesskonstanz – ein weiterer Beweis, der sich Woche für Woche ansammelt, dass die alte Geschichte („Ich bin dumm“, „Ich werde das nie können“) nicht mehr beschreibt, was tatsächlich geschieht.
Als Fachkräfte sind wir dadurch verpflichtet, einen Moment ernst zu nehmen, den wir manchmal als Formalität behandeln: die diagnostische Rückmeldung. Sie ist nicht nur der Abschluss einer Untersuchung, sondern potenziell der erste Moment, in dem ein Kind oder Jugendlicher nicht mehr allein die Schuld für etwas trägt, das nie ein Mangel an Anstrengung oder Intelligenz war, sondern eine andere – und vollkommen reale – Art, die Welt zu verarbeiten.
Literaturverzeichnis
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Häufig gestellte Fragen zu den emotionalen Auswirkungen von Lernschwierigkeiten
1. Wie wirken sich Lernschwierigkeiten bei Kindern und Jugendlichen auf die psychische Gesundheit aus?
Lernschwierigkeiten stehen mit signifikant höheren Werten für Schulangst und Stress, somatischen Beschwerden und in vielen Fällen einem geringeren schulbezogenen Selbstwertgefühl in Zusammenhang.
Minderjährige mit Lernschwierigkeiten zeigen in Leistungssituationen deutlich höhere Angstwerte und häufig ein geringeres spezifisches schulisches Selbstwertgefühl. Die Angst kann sich durch somatische Beschwerden, Widerstand gegen Aufgaben oder bei Jugendlichen durch eine Fassade des Desinteresses als Schutzmechanismus äußern.
2. Was trägt die neuropsychologische Diagnostik zum emotionalen Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten bei?
Eine gut vermittelte diagnostische Rückmeldung wirkt als Instrument zur kausalen Neuattribuierung. Sie ermöglicht jedem Kind mit Lernschwierigkeiten zu verstehen, dass seine Schwierigkeit auf einem spezifischen kognitiven Profil beruht, und verhindert so, dass es Misserfolge einem vermeintlichen Mangel an Intelligenz oder Anstrengung zuschreibt.
3. Welche Auswirkungen hat eine späte Diagnose von Lernschwierigkeiten bei Erwachsenen?
Menschen, die während der Schulzeit keine rechtzeitige Unterstützung erhalten, weisen häufiger emotionale Probleme und ein geringeres psychosoziales Wohlbefinden auf. Die Diagnose im Erwachsenenalter bringt oft echte Erleichterung, weil sie eine Erklärung liefert, aber auch einen Trauerprozess über verpasste Chancen unter einem falschen persönlichen Narrativ.
4. Warum ist kognitives Training zusammen mit Psychotherapie wichtig?
Kognitives Training liefert konkrete und überprüfbare Belege für Fortschritte und stärkt dadurch in der Praxis das neue psychologische Narrativ, das die Patientin oder der Patient in der Therapie entwickelt.
5. Wie unterstützt Gamification die Neurorehabilitation?
Plattformen wie NeuronUP strukturieren das kognitive Training durch interaktive Aktivitäten mit unmittelbarem Feedback. Dadurch wird Ermüdung verringert und es werden fortlaufend kleine Erfolge ermöglicht.







Der Werdegang von Jorge Martínez Corada bei NeuronUP: vom Design von Nutzererlebnissen zur Produktleitung
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