Mar Piquer Martínez, Koordinatorin des PsicoNED-Projekts auf Sansibar, berichtet von einer zweiwöchigen Mission, um durch neuropsychologische Rehabilitation im subsaharischen Afrika auszubilden, zu intervenieren und Leben zu verändern.
Einleitung
Im Mai 2025 reisten zwei Fachkräfte aus dem Team von NeuronUP im Rahmen einer neuen Mission des PsicoNED-Projekts nach Sansibar. Carolina, Neuropsychologin, und Marina aus dem Kommunikationsteam beschlossen, zwei Wochen lang eng mit dem lokalen Team zusammenzuarbeiten und sich in dessen täglichen Arbeitsablauf einzubringen.
Ihr Aufenthalt fand hauptsächlich im House of Hope auf der Insel Unguja statt, wo ein großer Teil der klinischen, ausbildenden und gemeinschaftsbezogenen Arbeit des PsicoNED-Projekts konzentriert ist. Von dort aus beteiligten sich beide an der Entwicklung neuropsychologischer Interventionen, bildeten das lokale Team aus und dokumentierten die tatsächlichen Auswirkungen der Neuropsychologie in einer Region, in der diese Disziplin noch im Entstehen begriffen ist.
Was ist PsicoNED?
PsicoNED ist eine Initiative der Fundación Neurocirugía, Educación y Desarrollo (NED) mit dem Ziel, die psychische Gesundheit in vulnerablen Kontexten, insbesondere im subsaharischen Afrika, zu stärken.
Auf dem afrikanischen Kontinent entwickeln schätzungsweise rund 200.000 jährlich geborene Kinder einen Hydrozephalus oder werden mit einem Neuralrohrdefekt geboren, was ein gravierendes Problem der öffentlichen Gesundheit darstellt. Um auf diese Realität zu reagieren, hat die Fundación NED seit 2008 mehr als 300 neurochirurgische Missionen im Bereich der Kinderneurochirurgie durchgeführt und Patientinnen und Patienten eine chirurgische Versorgung ermöglicht, die andernfalls keinen Zugang zu diesen Behandlungen gehabt hätten. Die Philosophie der Stiftung basiert auf horizontaler Zusammenarbeit und dem Aufbau der Eigenständigkeit des lokalen Teams, um langfristig nachhaltige und hochwertige Interventionen zu gewährleisten.
Im Jahr 2021 gründete die Stiftung das House of Hope auf Sansibar, um Kindern mit Hydrozephalus und Spina bifida sowie ihren Familien eine ganzheitliche Versorgung (Unterkunft, Physiotherapie, Ergotherapie, kognitive Rehabilitation, Hausbesuche und psychosoziale Unterstützung) anzubieten. In diesem Haus entstand 2023 PsicoNED als Antwort auf die Notwendigkeit, die neuropsychologischen Folgen bei diesen Kindern zu behandeln. Seitdem verfolgt das Projekt das Ziel, lokale Teams in Neuropsychologie zu schulen, klinische Interventionen zu entwickeln und das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu fördern.
NeuronUP ist seinerseits die wichtigste digitale Plattform, die wir bei PsicoNED zur Entwicklung und Durchführung von Aktivitäten zur kognitiven Stimulation einsetzen. Die einfache Bedienung ermöglicht es den lokalen Fachkräften, die Aktivitäten selbstständig anzupassen und anzuwenden. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass NeuronUP die Fernbegleitung durch das Team in Spanien erleichtert. Dadurch kann der Fortschritt der Kinder in Echtzeit beurteilt und können die Interventionen an ihre Bedürfnisse angepasst werden. Außerdem wurden im Rahmen unserer Zusammenarbeit zahlreiche Übungen ins Swahili übersetzt. Dies ermöglichte ihre Anpassung an den lokalen kulturellen und sprachlichen Kontext und machte die Interventionen zugänglicher und wirksamer.

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Wir tauchen in die PsicoNED-NeuronUP-Mission ein
Seit ihrer Ankunft fügten sich Carolina und Marina mit großer Sensibilität in das Umfeld des House of Hope ein. Carolina berichtet: „Wir kamen voller Vorfreude, aber auch ziemlich nervös an. Wir wollten es so gut wie möglich machen und wussten nicht genau, welche Situation uns erwarten würde. Doch sobald wir die Projektleiterinnen (Ruwayda und Hamissa) kennengelernt hatten, stimmte die Verbindung und wir wussten, dass wir gemeinsam großartige Arbeit leisten konnten.“
Intervention und Ausbildung: eine gemeinsame Aufgabe
Während ihres Aufenthalts konzentrierte sich Carolina auf die direkte Betreuung der Kinder und die Schulung des lokalen Teams im Umgang mit der Plattform NeuronUP. Gemeinsam mit den lokalen Therapeutinnen analysierte sie klinische Fälle, überprüfte Interventionspläne und entwickelte neue, auf jedes Kind abgestimmte Aktivitäten.
„Nachdem ich aus der Ferne mit dem Projekt zusammengearbeitet, Aktivitäten ausgewählt und daran gearbeitet hatte, alle Voraussetzungen für eine möglichst gute Intervention zu schaffen, war es fantastisch, persönlich vor Ort zu sein und direkt mit den Kindern zu arbeiten“, erklärt Carolina. „Keines der Kinder war wie das andere, und jedes hatte ganz besondere Bedürfnisse. Zu sehen, wie sie sich der Intervention stellten, wie viel Freude sie an NeuronUP hatten oder einfach daran, uns Dinge zu erzählen, ist unbezahlbar.“
Außerdem organisierten sie einen Workshop für die Mütter-Selbsthilfegruppe, einen für die Betreuung von Familien wichtigen Raum.

Erster Präsenzkurs über Neuropsychologie auf Sansibar
Einer der bedeutendsten Meilensteine dieser Mission war die Durchführung des ersten Präsenzkurses über Neuropsychologie auf Sansibar. Zwei Tage lang nahmen 64 Psychologiestudierende mit großem Interesse an einem Workshop teil, der die Grundlagen der Neuropsychologie und der kognitiven Stimulation behandelte.
Dieser Kurs war ein entscheidender Schritt zur Eröffnung neuer Perspektiven in einer Region, in der die Psychologie noch stark mit religiösen oder philosophischen Vorstellungen verbunden ist. Die Einführung der Neuropsychologie half vielen Teilnehmenden, den Zusammenhang zwischen Gehirn, Kognition und Verhalten zu verstehen.
„Mein wichtigster Beitrag ist das theoretische und praktische Wissen über Rehabilitation und kognitive Stimulation. In Verbindung mit dem Wissen des lokalen Teams und der Familien führte dies zu einer zunehmend umfassenden und angepassten Intervention“, erklärt Carolina.

Der sensible Blick: Kommunikation, die Veränderung bewirkt
Währenddessen dokumentierte Marina den Alltag des Projekts mit großer Sensibilität. Sie führte Interviews mit dem lokalen Team, hielt Szenen aus den Sitzungen fest und nahm an den Hausbesuchen teil, die im Rahmen ihrer Mission geplant waren. „Der Tag der Hausbesuche war besonders bedeutungsvoll. Wir sahen unterschiedliche Lebensrealitäten und stellten fest, wie unterschiedlich das Leben sein kann, sogar innerhalb derselben Region“, berichtet sie.
In ihrer Rolle in der Kommunikation hob Marina den Wert der Mitarbeit aus anderen Fachbereichen hervor: „Auch wenn du keine Fachkraft aus diesem Bereich bist, kannst du anderen immer etwas Schönes und Wertvolles geben, solange du es mit Bereitschaft und Respekt tust.“
Besonders hervorheben möchte ich eine ihrer Überlegungen zur Bedeutung eines menschenzentrierten Ansatzes: „Es ist wichtig, dass die Freiwilligen die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer verstehen und von diesen ausgehen, wobei sie vor allem darauf achten sollten, sie motiviert zu halten.“
Soziale und menschliche Wirkung: Mehr als klinische Daten
Die Wirkung der Missionen lässt sich nicht allein anhand klinischer Daten messen. Dank sorgfältig konzipierter Interventionen schöpfen viele Familien neue Hoffnung. Wo zuvor Schweigen und Angst herrschten, entstehen nun Dialog, Unterstützungsnetzwerke und emotionale Bindungen: „Wir führten eine Sitzung mit der Müttergruppe der Kinder durch, die in die Stiftung kamen. Es war sehr bewegend, ihren Mut zu sehen und zu erleben, wie sie sich verletzlich zeigen, ihre Ängste und Schwierigkeiten öffentlich teilen und sich gegenseitig so stark unterstützen konnten“, erinnert sich Carolina an die Sitzung der Frauengruppe. Diese kleinen, scheinbar einfachen Momente verändern die Lebensrealitäten.
Der Wert der Zusammenarbeit
Für uns ist die Zusammenarbeit mit NeuronUP ein klares Bekenntnis zum universellen Zugang zu hochwertigen Instrumenten für die neuropsychologische Rehabilitation. Dank der gemeinsamen Arbeit mit PsicoNED wurden Aktivitäten angepasst, individuelle Therapiepfade entwickelt und lokale Therapeutinnen und Therapeuten geschult. Dieses Engagement für die globale Entwicklung der Neuropsychologie bekräftigt die gemeinsame Überzeugung, dass Wissen zugänglich, anwendbar und in den vulnerabelsten Lebenswelten verändernd wirken muss.
„Unsere Zusammenarbeit mit PsicoNED ist keine isolierte Maßnahme, sondern Teil eines globalen Engagements, neuropsychologische Rehabilitation unabhängig von Kontext oder verfügbaren Ressourcen zugänglich zu machen. Bei NeuronUP fühlen wir uns PsicoNED zutiefst verbunden und bringen nicht nur ein technologisches Werkzeug ein, sondern einen echten Weg zur Veränderung für Tausende Kinder in vulnerablen Kontexten“, erklärt Carolina.
Letztlich ist dies das oberste Ziel des Projekts: Immer mehr Kinder sollen Zugang zu einer hochwertigen Intervention erhalten, Familien sollen Unterstützung erfahren und lokale Teams sollen ihre lebensverändernde Arbeit selbstständig fortsetzen können. Marina fasst es so zusammen: „Ich nehme die Menschlichkeit der Menschen mit und habe ein Gefühl gestärkt, das ich bereits hatte, das nun aber sehr viel stärker geworden ist: die Teamarbeit.“
„Unsere Zusammenarbeit mit PsicoNED ist keine isolierte Maßnahme, sondern Teil eines globalen Engagements, neuropsychologische Rehabilitation unabhängig von Kontext oder verfügbaren Ressourcen zugänglich zu machen. Bei NeuronUP fühlen wir uns PsicoNED zutiefst verbunden und bringen nicht nur ein technologisches Werkzeug ein, sondern einen echten Weg zur Veränderung für Tausende Kinder in vulnerablen Kontexten“, erklärt Carolina.

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Wenn zwei Menschen reisen, vervielfacht sich die Wirkung. Was wie eine kleine Geste erscheint, verwandelt sich oft in eine Welle von Veränderungen. Wer erinnert sich nicht an einen Kommentar, der in einem sehr schwierigen Moment Halt gegeben hat, oder an ein Lächeln, das Kraft zum Weitermachen schenkte? Es sind diese kleinen Augenblicke, die den Lauf der Dinge oft verändern. Und auf Sansibar wurden in zwei Wochen viele solcher Augenblicke gesät.
Carolina und Marina spiegeln das menschliche Team von NeuronUP wider: engagierte Fachkräfte, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in den Dienst einer gerechteren und besser verbundenen Welt stellen.
Danke, Carolina. Danke, Marina. Und danke an alle Menschen, die PsicoNED möglich machen. Menschen, die daran glauben, dass Hoffnung weiterhin ihren Platz in der Welt hat.
Denn ja, Hoffnung gibt es immer.


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