Die Doktorandin Marta Arbizu Gómez analysiert die wissenschaftliche Evidenz zur Verordnung körperlicher Bewegung zum Schutz der Gehirngesundheit während des Alterns.
Einleitung
Körperliche Bewegung und kognitive Beeinträchtigung stehen in engem Zusammenhang. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität eine wirksame nichtmedikamentöse Intervention ist, um die kognitive Beeinträchtigung im Alter zu verlangsamen und das Demenzrisiko zu senken. Ihre Wirkung hängt mit einem Anstieg des vom Gehirn abgeleiteten neurotrophen Faktors (BDNF), einer Verbesserung der zerebralen Durchblutung und der Verringerung vaskulärer Risikofaktoren zusammen.
Warum ist körperliche Bewegung für die Gehirngesundheit im Alter entscheidend?
Die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzerkrankungen stellen eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar. Mit zunehmendem Alter der Bevölkerung steigt die Zahl der Betroffenen weiter an, und bis heute gibt es keine Heilung, die den Krankheitsverlauf aufhalten kann. In diesem Zusammenhang hat die Identifizierung wirksamer, zugänglicher und wissenschaftlich fundierter Präventionsstrategien Priorität.
Unter den veränderbaren Risikofaktoren für Alzheimer ist körperliche Inaktivität einer der wichtigsten. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass ein niedriges Maß an körperlicher Aktivität im mittleren Erwachsenenalter mit einem höheren Risiko verbunden ist, später im Leben eine Demenz zu entwickeln. Trotz dieser Evidenz wird Bewegung jedoch nur selten systematisch mit dem ausdrücklichen Ziel verordnet, die kognitive Funktion zu verbessern oder zu erhalten.
Der von Heisz und Waddington (2023) in Exercise, Sport, and Movement veröffentlichte Artikel befasst sich genau mit dieser Lücke und schlägt klare Grundsätze für die Verordnung von Bewegung mit dem Ziel vor, die Gehirngesundheit im Alter zu fördern.
Was geschieht im Gehirn während des Alterns?
Das normale Altern geht mit einer fortschreitenden Abnahme der Gedächtnisleistung und strukturellen Veränderungen im Gehirn einher, insbesondere im Hippocampus, einer für Lernen und Gedächtnis zentralen Region. Bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit beschleunigt sich dieser Prozess deutlich; die Rate der hippocampalen Atrophie ist etwa 2,5-mal höher als beim gesunden Altern.
Die gute Nachricht ist, dass das Gehirn eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit bewahrt. Die Evidenz zeigt, dass körperliche Bewegung das Volumen des Hippocampus erhöhen, die zerebrale Durchblutung verbessern und die neuronale Plastizität fördern kann, selbst wenn sie erst im höheren Alter begonnen wird. Mit anderen Worten: Es ist nie zu spät, anzufangen.

Quelle: Heisz JJ, Waddington EE. The Principles of Exercise Prescription for Brain Health in Aging. Exercise, Sport, and Movement, 2023.
Neurobiologische Mechanismen: Wie wirkt Bewegung auf das Gehirn?
Einer der interessantesten Aspekte des Artikels ist die Erklärung der biologischen Mechanismen, die Bewegung und kognitive Funktion miteinander verbinden. Während mäßiger oder intensiver Bewegung setzen die Muskeln Signalmoleküle frei, die als Myokine bekannt sind; zu ihnen gehört insbesondere Laktat.
Dieses Laktat passiert die Blut-Hirn-Schranke und aktiviert die Produktion des vom Gehirn abgeleiteten neurotrophen Faktors (BDNF) im Hippocampus. BDNF spielt eine zentrale Rolle bei Neuroplastizität, Neurogenese sowie Gedächtnis- und Lernprozessen. Somit verbessert Bewegung nicht nur die vaskuläre oder metabolische Gesundheit, sondern wirkt direkt auf die zerebralen Mechanismen ein, die der Kognition zugrunde liegen.

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Grundsätze für die Verordnung körperlicher Bewegung zur Verbesserung der Kognition
Auf Grundlage der verfügbaren Evidenz schlagen die Autorinnen eine Anpassung des FITT-Modells (Häufigkeit, Intensität, Zeit und Art) vor, die speziell auf die Gehirngesundheit ausgerichtet ist:
- Häufigkeit: Bewegung sollte so häufig wie möglich durchgeführt werden. Es gibt keine Mindestschwelle: Jede Aktivität ist besser als keine.
- Intensität: Empfohlen wird mäßige bis intensive Bewegung, da diese Intensität die Aktivierung der Muskel-Gehirn-Mechanismen am zuverlässigsten fördert. Der bekannte Talk-Test kann als praktische Orientierung zur Anpassung der Intensität dienen.
- Zeit (wöchentliche Dosis): Um klinisch relevante kognitive Vorteile zu erzielen, werden folgende Dosen vorgeschlagen:
- Minimum:
- 70 Minuten mäßige Bewegung pro Woche,
- oder 35 Minuten intensive Bewegung pro Woche.
- Optimal:
- 140 Minuten mäßige Bewegung pro Woche,
- oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche.
- Minimum:
- Art der Bewegung: Die Evidenz spricht für eine Kombination verschiedener Modalitäten:
- Ausdauertraining (Gehen, Schwimmen, Radfahren).
- Kraft- oder Widerstandstraining.
- Mehrkomponentenprogramme mit Gleichgewichtstraining.
- Aktivitäten wie Tai-Chi oder Yoga.
Darüber hinaus wird der zusätzliche Nutzen der Integration kognitiver Herausforderungen während der körperlichen Aktivität hervorgehoben, etwa die Bewegung in neuen Umgebungen oder die Durchführung von Orientierungsaufgaben. Auch Bewegung in sozial anregenden Kontexten sollte gefördert werden, da dies die Adhärenz verbessert und Risikofaktoren wie Einsamkeit verringert.
Welche Bedeutung hat körperliche Bewegung für die klinische Praxis und Prävention?
Diese Grundsätze bekräftigen eine zentrale Aussage: Körperliche Bewegung kann und sollte als präventive Erstlinienintervention für die Gehirngesundheit betrachtet werden, die in ihrer Bedeutung mit anderen Lebensstilempfehlungen vergleichbar ist.
Die Flexibilität der Leitlinien ermöglicht ihre Anpassung an unterschiedliche funktionelle Leistungsniveaus und erleichtert die Umsetzung sowohl in gemeindenahen Programmen als auch im klinischen Umfeld. Die langfristige Beständigkeit und nicht die punktuelle Intensität erweist sich als entscheidender Faktor für die Prävention kognitiver Beeinträchtigungen.
Wie hängt dieser Ansatz zu körperlicher Bewegung und kognitiver Beeinträchtigung mit NeuronUP zusammen?
Bei NeuronUP wird mit einer evidenzbasierten Perspektive zur Verbesserung und Erhaltung der kognitiven Funktion gearbeitet. Die in diesem Artikel beschriebenen Grundsätze fügen sich natürlich in einen ganzheitlichen Ansatz der Gehirngesundheit ein, bei dem körperliche Aktivität, kognitive Stimulation und die langfristige Verlaufskontrolle einander verstärken.
Die Kombination gut verordneter Bewegungsprogramme mit digitalen Werkzeugen für Rehabilitation und kognitives Training ermöglicht:
- Die Förderung der Neuroplastizität über mehrere Wege.
- Die Personalisierung der Interventionen entsprechend dem Nutzerprofil.
- Die kontinuierliche Überwachung der kognitiven Entwicklung.
Fazit
Körperliche Bewegung ist nicht nur eine allgemeine Gesundheitsempfehlung, sondern ein spezifisches und wirkungsvolles Instrument zum Schutz der kognitiven Funktion während des Alterns. Der Vorschlag klarer Grundsätze für ihre Verordnung stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu ihrer systematischen Integration in Strategien zur Demenzprävention dar.
In einem Kontext, in dem die Alterung der Bevölkerung unaufhaltsam voranschreitet, ist die Entwicklung zugänglicher, personalisierbarer und nachhaltiger Interventionen entscheidend. Richtig verordnete Bewegung etabliert sich als eine der grundlegenden Säulen für ein gesundes Gehirnaltern.
Literaturverzeichnis
- Heisz JJ, Waddington EE. The Principles of Exercise Prescription for Brain Health in Aging. Exercise, Sport, and Movement. 2023;2(1):e00019. doi:10.1249/ESM.0000000000000019.
Häufig gestellte Fragen zu körperlicher Bewegung und Gehirngesundheit
1. Wie viele Minuten Bewegung sind nötig, um die kognitive Funktion zu verbessern?
Um klinisch relevante kognitive Vorteile zu erzielen, werden mindestens 70 Minuten mäßige Bewegung oder 35 Minuten intensive Bewegung pro Woche empfohlen. Der optimale Bereich liegt bei 140 Minuten mäßiger oder 75 Minuten intensiver Bewegung pro Woche.
2. Kann körperliche Bewegung kognitive Beeinträchtigungen verhindern?
Ja. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass regelmäßige körperliche Bewegung eine wirksame nichtmedikamentöse Intervention zur Senkung des Risikos für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz ist. Ihre Wirkung hängt mit einer verbesserten zerebralen Durchblutung, einem Anstieg des vom Gehirn abgeleiteten neurotrophen Faktors (BDNF) und der Förderung der Neuroplastizität, insbesondere im Hippocampus, zusammen.
3. Erhöht körperliche Bewegung den vom Gehirn abgeleiteten neurotrophen Faktor (BDNF)?
Ja. Bewegung mit mäßiger bis hoher Intensität steigert die Freisetzung von Laktat und anderen Myokinen, die die BDNF-Produktion anregen. BDNF ist entscheidend für Neuroplastizität, Neurogenese sowie Gedächtnis- und Lernprozesse.
4. Lassen sich körperliche Bewegung und kognitive Stimulation kombinieren?
Ja. Die Kombination aus körperlicher Bewegung und kognitiver Stimulation fördert die Neuroplastizität über mehrere Wege. Während Bewegung die biologischen Mechanismen (BDNF, zerebrale Perfusion) unterstützt, aktiviert die kognitive Stimulation spezifische neuronale Netzwerke und erzeugt so einen ergänzenden Effekt.
5. Ersetzt körperliche Bewegung die kognitive Stimulation?
Nein. Körperliche Bewegung und kognitive Stimulation wirken über ergänzende Mechanismen. Während Bewegung neurobiologische Prozesse wie den Anstieg von BDNF fördert, stärkt die kognitive Stimulation spezifische neuronale Netzwerke. Die Kombination beider Interventionen bietet größere Vorteile.
6. Mit welcher Intensität sollte Bewegung verordnet werden, um kognitive Vorteile zu erzielen?
Empfohlen wird eine mäßige bis hohe Intensität. Eine praktische Orientierung ist der „Talk-Test“: Bei mäßiger Bewegung kann man sprechen, aber nicht singen; bei intensiver Bewegung fällt es schwer, ein Gespräch zu führen. Diese Intensität aktiviert die Muskel-Gehirn-Mechanismen am wirksamsten.
7. Welche Art von Bewegung ist für die Gehirngesundheit am wirksamsten?
Für die Verbesserung von Gedächtnis und hippocampalem Volumen liegt die umfangreichste Evidenz für Ausdauertraining vor. Die besten Ergebnisse werden jedoch durch die Kombination von Ausdauertraining, Krafttraining und Mehrkomponentenprogrammen mit Gleichgewicht und Koordination erzielt.
8. Kann körperliche Bewegung den Ausbruch von Alzheimer verzögern?
Bewegung verhindert die Alzheimer-Krankheit nicht vollständig, kann ihren Ausbruch jedoch verzögern und das Risiko senken, indem sie auf veränderbare Faktoren wie körperliche Inaktivität, vaskuläres Risiko und chronische Entzündung einwirkt.
9. Ist körperliche Bewegung für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (LKB) hilfreich?
Ja. Bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung kann regelmäßige körperliche Bewegung das Fortschreiten der Beeinträchtigung verlangsamen, die exekutive Funktion verbessern und die kognitive Reserve fördern. Zudem ist sie eine sichere Intervention, die an unterschiedliche funktionelle Leistungsniveaus angepasst werden kann.













Kognitive Reserve und Neuroplastizität im Alter: klinische Implikationen für Diagnostik und kognitive Stimulation
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