Die auf kindliche Entwicklung spezialisierte Neuropsychologin Carmen Virginia Miranda berichtet uns in diesem Artikel über die neuropsychologische Intervention im Kindesalter, die sie in ihrem Zentrum NKI Neuropsychologica mit NeuronUP durchgeführt hat.
Im Bereich der neuropsychologischen Intervention im Kindesalter stellt die Spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) eine Herausforderung dar, die spezielle Aufmerksamkeit erfordert. Diese Störung beeinträchtigt die Sprachentwicklung von Jungen und Mädchen und führt zu Schwierigkeiten im Sprachverständnis und -ausdruck.
Diagnose und Bewertung der SSES
Der erste Schritt bei der Behandlung der SSES besteht in einer präzisen Diagnose. Ein Spezialist für Kinderneuropsychologie, Sprachtherapeut und/oder Logopäde führt eine umfassende Untersuchung durch, um die betroffenen Sprachbereiche zu bestimmen und ein individuelles Profil des Kindes zu erstellen.
Dazu werden standardisierte Tests und Fragebögen eingesetzt, um sprachliche Schwierigkeiten zu identifizieren und andere Störungen oder Entwicklungsprobleme auszuschließen.
Dieser erste diagnostische Schritt ist wesentlich, ebenso wie die Festlegung, auf welchem sprachlichen Niveau (phonologisch, morphologisch, semantisch, syntaktisch und/oder pragmatisch) die Schwierigkeiten liegen und wie stark sie ausgeprägt sind, da auf Grundlage der Ergebnisse und spezifischen Merkmale die Ziele der Intervention festgelegt und die Aktivitäten für jede Sitzung ausgewählt werden.
Ziele der neuropsychologischen Intervention bei SSES
Die neuropsychologische Intervention bei SSES hat das Hauptziel, die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes zu verbessern und die Auswirkungen der Störung auf seinen Alltag zu verringern.
Zu den spezifischen Zielen können die Förderung des Sprachverständnisses, die Anregung des Wortschatzes, die Verbesserung der Flüssigkeit und Grammatik sowie die Förderung kompensatorischer Strategien zur Bewältigung kommunikativer Schwierigkeiten gehören.
Es ist entscheidend, die Ziele an die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes anzupassen, unter Berücksichtigung seines Alters, seines Entwicklungsstands und der spezifischen Merkmale der Störung.
Ein Beispiel für ein spezifisches Ziel der neuropsychologischen Intervention bei SSES könnte sein, „das Sprachverständnis zu fördern“. Um dies zu erreichen, können verschiedene Strategien eingesetzt werden, wie das Arbeiten an der Identifikation von Schlüsselwörtern in einem Gespräch oder das Üben des Verstehens einfacher und komplexer Anweisungen.
Konkret mit einer NeuronUP-Aktivität: „Leserverständnis mit Fragen“ lässt sich dieses Ziel bei älteren Kindern angehen.
Indem man diese Ziele an die individuellen Bedürfnisse des Kindes anpasst, kann ein individuell abgestimmter Interventionsplan entwickelt werden, der seinem Alter, Entwicklungsstand und den spezifischen Eigenschaften der Störung gerecht wird, und so die Fähigkeit zum Sprachverständnis verbessert und eine effektivere Kommunikation im Alltag ermöglicht.
Interventionsstrategien bei SSES
Es gibt verschiedene Ansätze und Strategien, die in der neuropsychologischen Intervention bei SSES eingesetzt werden können. Einige davon sind:
- Sprachtherapie mit phonologischem Schwerpunkt: Es wird an Lauten gearbeitet, um das auditive Diskriminationsvermögen und die korrekte Lautproduktion zu verbessern. Zu diesem Zweck können interaktive Aktivitäten und Wortspiele eingesetzt werden.
- Wortschatzanregung: Techniken zur Erweiterung des Wortschatzes werden angewendet, unter Verwendung von Bildern, Gegenständen und realen Kontexten. Wortzuordnungsspiele, Vokabelkarten und Kategorisierungsaufgaben sind nützliche Ressourcen.
- Entwicklung des Sprachverständnisses: Übungen fördern das Verstehen von Anweisungen, das Erkennen von Konzepten und das Beantworten von Fragen. Bilder, aktive Zuhörübungen und Anweisungsbefolgungsaktivitäten können eingesetzt werden.
- Verbesserung des Sprachausdrucks: Fokus auf den Aufbau grammatisch korrekter Sätze, die Verwendung eines angemessenen Wortschatzes und das kohärente Präsentieren von Ideen. Satzkonstruktionsübungen, Erzählungen und geführte Gespräche sind dafür effektive Mittel.
Einsatz von NeuronUP in der neuropsychologischen Intervention bei SSES
NeuronUP ist eine digitale Plattform zur kognitiven und neuropsychologischen Rehabilitation und bietet zahlreiche Werkzeuge und Ressourcen zur Behandlung von SSES.
Sowohl interaktive Aktivitäten als auch Materialien auf Papier erleichtern die Intervention und motivieren das Kind während des Prozesses.
Zu den in NeuronUP verfügbaren Ressourcen für SSES gehören Wortzuordnungsspiele, Übungen zum Sprachverständnis und Aktivitäten zur Grammatik- und Satzkonstruktion.
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Beispiele entsprechend dem Sprachniveau
1. Phonologisches Niveau
- Wort-Bild-Zuordnungsspiel: Das Kind ordnet Bilder von Objekten Wörtern mit demselben Anfangslaut zu (Beispiel für NeuronUP-Aktivitäten: Wo ist der Buchstabe?; Laute in Bildnamen identifizieren).
- Auditives Diskriminationsübung: Es werden Laute abgespielt und das Kind entscheidet, ob sie gleich oder unterschiedlich sind.

2. Semantisches Niveau
- Kategorisierungsaufgabe: Es werden verschiedene Bilder präsentiert und das Kind ordnet sie semantischen Kategorien zu (Beispiele für NeuronUP-Aktivitäten: Ordne mein Chaos; Verbundene Zeichnungen; Gemeinsame Elemente; Such und Du wirst finden!).
- Wortschatzübungen: Benennung und Identifikation (Beispiele für NeuronUP-Aktivitäten: Substantiv-Bild-Zuordnung; Begriff zur Definition finden; Richtiger Name eines Bildes; Wie heißt es?).

3. Morphologisches Niveau
- Wortbildungsübung: Es wird eine Basis oder Wurzel vorgegeben, und das Kind fügt Suffixe oder Präfixe hinzu, um neue Wörter zu bilden. Zum Beispiel kann aus der Basis „freundlich“ durch Hinzufügen von „-erweise“ „freundlicherweise“ werden.
- Satzergänzungsübung: Unvollständige Sätze werden präsentiert und das Kind wählt die richtige Option zur Vervollständigung, z. B. „Die Katze ____ auf dem Dach“ (schläft, schlafen würde).
- Wörter nach morphologischer Struktur sortieren: Eine Liste von Wörtern (z. B. aus „Wo ist der Buchstabe?“) wird vorgegeben und das Kind ordnet sie nach ihrer morphologischen Struktur, z. B. Bulle, Bullechen, Stierkämpfer.
Für alle Vorschläge in diesem Bereich kann auf die Vokabelaktivitäten von NeuronUP zurückgegriffen werden.
4. Syntaktisches Niveau
- Satzkonstruktionsübung: Es wird ein Bild gezeigt und das Kind bildet einen grammatisch korrekten Satz dazu (Beispiel für NeuronUP-Aktivitäten: Erfinde eine Geschichte mit Bildern. Auf höherem Niveau: Geschichten aus Wörtern kreieren).
- Satzergänzungsaufgabe: Ein unvollständiger Satz wird gegeben und das Kind wählt die passende Ergänzung (Beispiel für NeuronUP-Aktivitäten: Sätze bilden).

5. Pragmatisches Niveau
- Geführtes Gespräch: mit der NeuronUP-Aktivität „Was ist besser zu tun?“
- Präsentiere dem Kind eine hypothetische Situation und frage: „Was würdest du tun?“
- Ermutige zur Teilnahme an einem geführten Gespräch unter Verwendung angemessener pragmatischer Fähigkeiten, wie Begrüßung, relevante Fragen stellen, Gesprächsanteile einhalten und angemessen auf Antworten reagieren.
- Biete Unterstützung und modelliere passende Antworten, fördere Empathie, aktives Zuhören und Perspektivübernahme im Gespräch.

Übung zum Verstehen nicht-wörtlicher Sprache
- Präsentiere idiomatische Ausdrücke oder Wendungen mit nicht-wörtlicher Bedeutung, wie „Du musst die Karten auf den Tisch legen“ oder „Es regnet in Strömen“.
- Lass das Kind die Bedeutung jeder Wendung erklären und sie in Sätzen verwenden, um sein Verständnis zu zeigen.
- Gib zusätzliche Beispiele und Erklärungen, um das Verständnis der bildlichen oder nicht-wörtlichen Bedeutung zu unterstützen, und übe ihre Verwendung in verschiedenen Kontexten.
Für diese Übung kann die NeuronUP-Ressource „Wann würdest du welche Emotion zeigen?“ verwendet werden. Bereite vor der Sitzung die Karten vor und formuliere eine nicht-wörtliche Aussage für jede Karte, so dass neben sozial-kognitiver Intervention auch pragmatische Aspekte integriert werden.
Fazit
Denke daran, dass die Aktivitäten an das Alter, den Entwicklungsstand und die kommunikativen Fähigkeiten des Kindes sowie an die Ergebnisse der vorangegangenen Bewertung angepasst werden sollten.
Außerdem ist es wichtig, während des Prozesses positives Feedback und Verstärkung zu geben, um die Verbesserung der pragmatischen Fähigkeiten zu fördern. Diese Aktivitäten helfen dem Kind, Sprache in sozialen und kommunikativen Situationen effektiver zu verstehen und anzuwenden.
Die neuropsychologische Intervention mit der Plattform NeuronUP kann ein wertvolles Instrument zur Behandlung der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung sein. Die Personalisierung von Zielen und Interventionsstrategien kombiniert mit grafischen Ressourcen und interaktiven Übungen ermöglicht es, die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern mit SSES zu fördern.
Die Implementierung dieses Tools in ein umfassendes Rehabilitationsprogramm kann einen Unterschied in der Sprachentwicklung und Lebensqualität von Kindern mit SSES machen.
Literaturverzeichnis
American Psychiatric Association – APA. (2014). Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5 (5. Aufl.). Madrid: Editorial Médica Panamericana.
Kidd, E., & Garcia, R. (2022). How diverse is child language acquisition research?. First Language, 42(6), 703-735.
Tellez, M. G. Y. (2016). Neuropsychologie der Entwicklungsstörungen: Diagnose, Bewertung und Intervention. Editorial El Manual Moderno.
Zelazo, P. D. (2023). Language, levels of consciousness, and the development of intentional action. In Developing Theories of Intention (pp. 95-118). Psychology Press.
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Dieser Artikel wurde übersetzt; Link zum Originalartikel auf Spanisch:
Intervención neuropsicológica con NeuronUP para el trastorno específico del lenguaje







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