TEST
Stop-Signal-Test (SST)
Inhibition · Verarbeitungsgeschwindigkeit · Selektive Aufmerksamkeit
Stop-Signal-Aufgabe mit adaptiver Logik (Logan, 1994; Verbruggen et al., 2019). Schätzt die SSRT, die interne Latenz des Hemmungsprozesses – die sauberste verfügbare Kennzahl, um die Impulskontrolle in Millisekunden zu quantifizieren.
WAS IST DER TEST
Der Goldstandard der motorischen Inhibitionskontrolle
Anders als beim herkömmlichen Go/No-Go – bei dem die Person vorher weiß, dass sie nicht reagieren soll – verlangt der SST, eine bereits begonnene Reaktion abzubrechen: Das Stoppsignal erscheint mit kurzer Verzögerung nach dem Go-Reiz. Dadurch wird das neuronale Substrat der reaktiven Inhibitionskontrolle aktiviert (rechter Gyrus frontalis inferior, subthalamische Kerne).
Mithilfe des Modells unabhängiger Wettläufe (Logan, 1994) lässt sich die Stop-Signal Reaction Time (SSRT) schätzen: die interne Latenz des Hemmungsprozesses, die mit kaum einem anderen Paradigma zugänglich ist. Dank der adaptiven SSD-Logik ist der Test von verlangsamten Patient:innen bis zu Spitzensportler:innen einsetzbar und hält die Rate erfolgreicher Hemmungen stets nahe den 50 %, die das Modell erfordert.
DURCHFÜHRUNG
Auf den grünen Pfeil reagieren, bei der roten Hand stoppen
Zwischen zwei Schaltflächen erscheint ein grüner Pfeil, der nach links oder rechts zeigt; die Person muss so schnell wie möglich die angezeigte Schaltfläche drücken. In 25 % der Durchgänge wird der Pfeil nach kurzer Verzögerung (SSD) durch eine rote Hand ersetzt, die anzeigt, dass die Reaktion gehemmt werden muss. Insgesamt: 200 Durchgänge (150 Go + 50 Stop).
Die SSD beginnt bei 250 ms und wird dynamisch angepasst: +50 ms bei erfolgreicher Hemmung (es wird schwieriger), -50 ms bei einem Fehler (es wird leichter). Dieser Algorithmus hält die Erfolgsrate bei ~50 % – Voraussetzung für eine gültige Berechnung der SSRT. Jede Reaktion nach dem Stoppsignal – oder sogar davor, falls die Person vorgegriffen hat – wird als Hemmungsfehler gewertet.
WAS DER TEST MISST
Kennwerte und ihre Interpretation
Die SSRT ist die zentrale Kennzahl, aber nur gültig, wenn die Hemmungsrate nahe 50 % liegt und die Person keine bewusste Abwartestrategie gewählt hat.
SSRT
Stop-Signal Reaction Time: geschätzte Latenz des Hemmungsprozesses. Zeit, die das Gehirn braucht, um einen laufenden motorischen Befehl abzubrechen.
Verlängerte SSRT: langsame Hemmung (ADHS, Parkinson, Schizophrenie).
Kurze SSRT: ausgezeichnete reaktive Inhibitionskontrolle.
% erfolgreiche Hemmungen
Anteil der Stop-Durchgänge mit erfolgreicher Hemmung. Er sollte nahe 50 % liegen, damit die SSRT zuverlässig geschätzt werden kann.
< 30 %: massives Versagen oder zu schnelle Reize.
> 70 %: wahrscheinliche Abwartestrategie (erhöhte Go-RZ).
RT Go
Mittlere Reaktionszeit in Durchgängen ohne Stoppsignal. Ermöglicht die Unterscheidung zwischen allgemeiner Verlangsamung und spezifischem Inhibitionsdefizit.
Hohe Go-RZ + hohe SSRT: globale Verlangsamung.
Normale Go-RZ + hohe SSRT: reines Inhibitionsdefizit.
Variabilität der RZ
Standardabweichung der Go-RZ. Marker für Aufmerksamkeitsschwankungen und die Stabilität des Aktivierungsniveaus.
Hohe Variabilität: schwankende Aufmerksamkeit (ADHS, SHT).
Niedrige Variabilität: konsistente Leistung.
Mittlere SSD
Vom adaptiven Algorithmus erreichte mittlere Stop-Signal-Verzögerung. Zeigt, wie viel Verzögerung die Person braucht, um in 50 % der Fälle zu hemmen.
Hohe SSD: Die Person hemmt auch bei wenig Vorlauf gut.
Niedrige SSD: Sie braucht viel Vorlauf zum Hemmen.
RZ bei fehlgeschlagenen Stops
Mittlere Zeit in Stop-Durchgängen ohne erfolgreiche Hemmung. Unter gültigen Bedingungen sollte sie unter der Go-RZ liegen (Wettlaufmodell).
Stop-RZ ≪ Go-RZ: typisches gesundes Muster.
Stop-RZ ≈ Go-RZ: Hinweis auf eine Verletzung des Modells (unzuverlässige Daten).
LITERATUR
Bibliografie
- Logan, G. D., & Cowan, W. B. (1984). On the ability to inhibit thought and action: A theory of an act of control. Psychological Review, 91(3), 295–327.
- Verbruggen, F., Aron, A. R., Band, G. P. H., et al. (2019). A consensus guide to capturing the ability to inhibit actions and impulsive behaviors in the stop-signal task. eLife, 8, e46323.
- Aron, A. R., Robbins, T. W., & Poldrack, R. A. (2014). Inhibition and the right inferior frontal cortex: One decade on. Trends in Cognitive Sciences, 18(4), 177–185.
- Lipszyc, J., & Schachar, R. (2010). Inhibitory control and psychopathology: A meta-analysis of studies using the stop signal task. Journal of the International Neuropsychological Society, 16(6), 1064–1076.
- Obeso, I., Wilkinson, L., & Jahanshahi, M. (2011). Levodopa medication does not influence motor inhibition or conflict resolution in a conditional stop-signal task in Parkinson’s disease. Experimental Brain Research, 213(4), 435–445.
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