TEST
Kurztest der auditiven Aufmerksamkeit (TBAA)
Selektive und geteilte Aufmerksamkeit im auditiven Modus
Digitalisierte Version, inspiriert vom Brief Test of Attention von Schretlen et al. (1996). In weniger als 10 Minuten erfasst sie die Fähigkeit, irrelevante Informationen zu filtern und unter Interferenz eine mentale Zählung aufrechtzuerhalten – in einem für Patienten mit visuellen oder motorischen Einschränkungen zugänglichen Format.
WAS IST DER TEST?
Den auditiven Informationsfluss unter ständiger Interferenz filtern
Der TBAA ist vom Brief Test of Attention (Schretlen et al., 1996) inspiriert und fordert die untersuchte Person auf, innerhalb eines einzigen auditiven Informationsflusses mental nur eine Reizklasse – Buchstaben oder Zahlen – zu zählen und die jeweils andere zu ignorieren. Dies entspricht einer Situation, die der geteilten Aufmerksamkeit in Gesprächen in lauten Umgebungen ähnelt.
Geprüft werden der Aufmerksamkeitsfilter (Broadbent, 1952), das auditive Arbeitsgedächtnis und die inhibitorische Kontrolle. Der Test korreliert mit Verfahren zur Erfassung komplexer Aufmerksamkeit wie Stroop oder TMT-B (Schretlen et al., 1996). Sein auditives Format ist besonders hilfreich bei Patienten mit visuellen oder motorischen Einschränkungen, bei denen Tests mit Papier und Bleistift nicht durchführbar sind.
DURCHFÜHRUNG
Buchstaben oder Zahlen in alphanumerischen Zeichenfolgen zählen
Der Test präsentiert alphanumerische Zeichenfolgen (z. B. „M-6-3-R-2“) auditiv mit einer Geschwindigkeit von 1 Reiz pro Sekunde. Im Buchstaben-Subtest soll der Patient nur die Buchstaben zählen und die Zahlen ignorieren; im Zahlen-Subtest ist es umgekehrt. Die Reihen wachsen über jeweils 10 Items pro Subtest von 4 auf 18 Zeichen an.
Am Ende jeder Reihe antwortet die untersuchte Person verbal mit der insgesamt gezählten Anzahl, die der Therapeut auf dem Bildschirm erfasst. Für die Antwort gilt ein Zeitlimit von 5 Sekunden; andernfalls wird sie als Auslassung gewertet. Jedem Subtest geht ein Übungsblock voraus.
WAS MISST DER TEST?
Indikatoren und ihre Interpretation
Richtige Antworten, Fehler und Auslassungen werden für jeden Subtest getrennt erfasst, zusätzlich zur Gesamtpunktzahl (max. 20). Die Analyse unterscheidet Impulsivität (viele Fehler, wenige Auslassungen) von Verlangsamung (viele Auslassungen).
Richtige Antworten im Buchstaben-Subtest
Korrekt gezählte Reihen (max. 10). Dies spiegelt die selektive auditive Aufmerksamkeit und das Arbeitsgedächtnis für verbales Material wider.
Viele richtige Antworten: auditive Filterung und Zählen unter Belastung erhalten.
Wenige richtige Antworten: Ablenkbarkeit oder Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses.
Richtige Antworten im Zahlen-Subtest
Korrekt gezählte Reihen im zweiten Block (max. 10). Misst dieselbe Fähigkeit anhand numerischer Reize.
Diskrepanz B/Z: deutet auf eine Präferenz oder einen spezifischen Bias der verbalen gegenüber der numerischen Verarbeitung hin.
Fehler
Antworten innerhalb der Zeit, aber mit falscher Zählung. Fehler in kurzen Reihen sind klinisch schwerwiegender als in langen Reihen.
Viele Fehler: Impulsivität, ungehemmte Interferenz.
Wenige Fehler: hohe Genauigkeit bei selektiver Aufmerksamkeit.
Auslassungen
Reihen ohne Antwort innerhalb des Zeitlimits von 5 s. Ermöglicht die Unterscheidung zwischen kognitiver Verlangsamung (Auslassungen) und Impulsivität (Fehlern).
Viele Auslassungen: kognitive Verlangsamung, Unsicherheit, Aufmerksamkeitslücken.
Wenige Auslassungen: angemessenes Antworttempo.
Gesamtpunktzahl (0–20)
Summe der richtigen Antworten in beiden Subtests. Globales Maß für die Effizienz des auditiven Aufmerksamkeitssystems.
19–20: selektive und geteilte Aufmerksamkeit intakt.
< 15: Warnsignal, deutet auf eine signifikante Aufmerksamkeitsstörung hin.
Muster Fehler versus Auslassungen
Qualitative Analyse des Verhältnisses zwischen Fehlern und Auslassungen. Besonders aussagekräftig zur Unterscheidung klinischer Profile.
Überwiegen der Fehler: impulsives Muster (typisch bei frontaler Läsion).
Überwiegen der Auslassungen: Verlangsamung (typisch bei MS oder Parkinson).
LITERATUR
Literaturverzeichnis
- Schretlen, D., Bobholz, J. H., & Brandt, J. (1996). Development and psychometric properties of the Brief Test of Attention. The Clinical Neuropsychologist, 10(1), 80–89.
- Broadbent, D. E. (1952). Listening to one of two synchronous messages. Journal of Experimental Psychology, 44(1), 51–55.
- Petersen, S. E., & Posner, M. I. (2012). The attention system of the human brain: 20 years after. Annual Review of Neuroscience, 35, 73–89.
- Sohlberg, M. M., & Mateer, C. A. (1987). Effectiveness of an attention training program. Journal of Clinical and Experimental Neuropsychology, 9(2), 117–130.
- Cooley, E. L., & Morris, R. D. (1990). Attention in children: A neuropsychologically based model. Developmental Neuropsychology, 6(3), 239–274.
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