Der Psychologe Dr. Carlos Rebolleda erklärt uns die emotionale Verarbeitung bei Schizophrenie.
Der Begriff der emotionalen Verarbeitung bei Schizophrenie bezieht sich auf die Fähigkeit des Individuums, die verschiedenen Emotionen adaptiv wahrzunehmen und zu nutzen (Green und Horan, 2010).
Die emotionale Intelligenz, definiert als ein Set von vier Komponenten (emotionale Identifikation, Emotionsnutzung, emotionales Wissen und Emotionsmanagement) (Mayer und Salovey, 1997), hat sich zu einem Referenzmodell für die Untersuchung der emotionalen Verarbeitung entwickelt.
Bewertung der emotionalen Verarbeitung
Derzeit existieren verschiedene Verfahren, die üblicherweise zur Bewertung einzelner Bereiche der emotionalen Verarbeitung eingesetzt werden. Die wichtigsten sind folgende:
- Pictures of Facial Affect (Ekman, 1976): Dieses Instrument besteht aus insgesamt 110 Fotografien von Gesichtern, die eine der sechs Basisemotionen zeigen. Die Aufgabe besteht darin, die auf jedem Gesicht ausgedrückte Emotion zu identifizieren.
- Tarea de Identificación de la Emoción Facial (Facial Emotion Identification Task, FEIT) (Kerr y Neale, 1993): Verwendet 19 Fotografien von Gesichtern, die eine der sechs Basisemotionen zeigen. Nach der Präsentation jeder einzelnen Aufnahme muss die gezeigte Emotion benannt werden.
- Prueba de Evaluación del Reconocimiento de Emociones (PERE) (Gil-Sanz y cols, 2017): Besteht aus 56 Fotografien, die verschiedene Basisemotionen zeigen. Aufgabe ist es, die auf jeder gezeigten Fotografie dargestellte Emotion zu identifizieren.
- Tarea de Discriminación de la Emoción Facial (Facial Emotion Discrimination Test, FEDT) (Kerr y Neale, 1993): Enthält 30 Paare von Fotos von Gesichtern desselben Geschlechts. Die Fotos werden paarweise präsentiert und es muss entschieden werden, ob beide Gesichter dieselbe Emotion ausdrücken.
- Test de Identificación de Emoción de la Voz (Kerr y Neale, 1993): Besteht aus 21 neutralen Sätzen, die von männlichen und weiblichen Stimmen in einer Intonation vorgetragen werden, die eine der sechs Basisemotionen zeigt. Nach jedem Satz soll die Probandin bzw. der Proband die Emotion benennen, mit der der Satz gesprochen wurde.
- The Bell- Lysaker Emotion Recognition Task (BLERT) (Bell, Bryson y Lysaker, 1997): Besteht aus 21 Videos, in denen ein Schauspieler drei Monologe mit neutralem Inhalt in je einer der sechs Basisemotionen intoniert. Nach jedem Video wird die Versuchsperson gefragt, mit welcher Emotion der Schauspieler den Monolog vorgetragen hat.

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- Facial Expression of Emotion: Stimuli and Test (FEEST) (Young, Perrett, Calder, Sprengelmeyer y Ekman, 2002). Die Aufgabe besteht darin, die Emotionen in 60 Fotografien von Gesichtern zu identifizieren. Nach jeder Aufnahme, die eine der Basisemotionen zeigt, muss aus den sechs Emotionen die dargestellte ausgewählt werden.
- Prosody Task (Pijnenborg, Whitaar, Van den Bosch y Brower, 2007). Besteht aus 16 neutralen Sätzen sowie acht Silbenstrukturen, die einerseits neutral und andererseits in fünf der sechs Basisemotionen – Beklemmung, Furcht, Trauer, Freude und Überraschung – vorgetragen werden. Die Probandinnen und Probanden müssen die jeweils gesprochene Emotion der Sätze und Silbenstrukturen erkennen.
- Test de Inteligencia Emocional Mayer-Salovey- Caruso (Mayer- Salovey -Caruso Emotional Intelligence Test, MSCEIT) (Mayer, Salovey y Caruso, 2002). Konzipiert, um emotionale Intelligenz als Fähigkeit zu bewerten. Es handelt sich um einen Fähigkeitstest, dessen Antworten reale Vorgehensweisen zur Lösung emotionaler Probleme abbilden.
Worum handelt es sich?
Der Test besteht aus 141 Items, aufgeteilt in acht Aufgaben (Gesichter, Bilder, Förderung, Empfindungen, Veränderungen, Kombinationen, Emotionsmanagement, emotionale Beziehungen), die Wertungen in jedem der vier Hauptbereiche der emotionalen Intelligenz nach dem Modell von Mayer und Salovey (1997) liefern (emotionale Wahrnehmung, Emotionsförderung, emotionales Verständnis, Emotionsmanagement).
Außerdem ermöglicht er eine Gesamtwertung der emotionalen Intelligenz sowie Wertungen in den beiden Bereichen (erfahrungsbasiert und strategisch), die diesen Quotienten bilden. Kee et al. (2009) bestätigten die guten psychometrischen Eigenschaften des Tests in einer Stichprobe von Patienten mit der Diagnose Schizophrenie.
Defizite bei Schizophrenie
Die wichtigsten Defizite bei Schizophrenie betreffen die Wahrnehmung negativer Emotionen. So fanden Kohler et al. (2003) Schwierigkeiten bei Schizophrenie-Patienten im Erkennen von Angst und Ekel; ebenso im Erkennen von Gesichtern, die als neutral gelten könnten, da sie diese Ausdrücke meist mit negativen Emotionen assoziieren.
Defizite in der emotionalen Verarbeitung treten in allen Phasen der Erkrankung auf und erweisen sich als schwerwiegender bei Patienten in akuten Phasen der Krankheit. Comparelli et al. (2013) stellten fest, dass diese Defizite bei Patienten mit hohem Risiko für die Entwicklung von Schizophrenie, bei solchen im ersten Schub und schließlich bei Patienten mit chronischem Verlauf vorhanden sind.
Einige Studien (Green und Phillips, 2004; Russell, Green, Simpson und Coltheart, 2008; Williams, Loughland, Gordon und Davidson, 1999) zeigten, dass die meisten Personen mit Schizophreniediagnose weniger Zeit aufwenden als gesunde Kontrollpersonen für die Analyse der Gesichtszüge in Aufgaben zum Emotionserkennen.
Schließlich haben Neuroimaging-Studien strukturelle Anomalien in mehreren Hirnarealen gefunden, die üblicherweise mit der emotionalen Verarbeitung in Verbindung gebracht werden. Diese Anomalien sind lokalisiert im fusiformen Gyrus, im temporo-medialen Sulcus, in der Amygdala und im präfrontalen Kortex (Marwick und Hall, 2008).
Literatur
- Bell, M. D., Bryson, G. und Lysaker, P. (1997). Positive and negative affect recognition in schizophrenia: a comparison with substance abuse and normal control subjects. Psychiatry Research, 73(1), 73-82.
- Comparelli, A., De Carolis, A., Corigliano, V., Di Pietro, S., Trovini, G., Granese, C., … und Girardi, P. (2013). Symptom correlates of facial emotion recognition impairment in schizophrenia. Psychopathology, 47(1), 65-70.
- Ekman, P. (1976). Pictures of facial affect. Palo Alto, CA: Consulting Psychologists Press.
- Gil-Sanz, D., Fernández-Modamio, M., Bengochea-Seco, R., Arrieta-Rodríguez, M., González-Fraile, E., Pérez-Fuentes, G., … und Santos-Zorrozúa, B. (2017). PERE: Una nueva herramienta para valorar el reconocimiento de las emociones básicas y su aplicación en la esquizofrenia. Revista de Psicopatología y Psicología Clínica, 22(2), 85-93.
- Green, M. F. und Horan, W. P. (2010). Social cognition in schizophrenia. Current Directions in Psychological Science, 19(4), 243-248.
- Green, M. F. und Phillips, M. L. (2004). Social threat perception and the evolution of paranoia. Neuroscience Biobehavioral Reviews, 28(3), 333-342.
- Kee, K. S., Horan, W. P., Salovey, P., Kern, R. S., Sergi, M. J., Fiske, A. P., … und Green, M. F. (2009). Emotional intelligence in schizophrenia. Schizophrenia Research, 107(1), 61-68.
- Kerr, S. L. und Neale, J. M. (1993). Emotion perception in schizophrenia: specific deficit or further evidence of generalized poor performance? Journal of Abnormal Psychology, 102(2), 312-318.
- Kohler, C. G., Turner, T. H., Bilker, W. B., Brensinger, C., Siegel, S. J., Kanes, S. J., … und Gur, R. C. (2003). Facial emotion recognition in schizophrenia: intensity effects and error pattern. American Journal of Psychiatry, 160(10), 1768-1774.
- Marwick, K. und Hall, J. (2008). Social cognition in schizophrenia: a review of face processing. British Medical Bulletin, 88(1), 43-58.
- Mayer, J. D. und Salovey, P. (1997). What is emotional intelligence? In P. Salovey und D. Sluyter (Hrsg.), Emotional development and emotional intelligence: implications for educators (S. 3-31). New York, NY: Basic Books.
- Mayer, J. D., Salovey, P. und Caruso, D. R. (2002). Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test (MSCEIT): USER’s Manual. Toronto, ON: Multi-Health Systems Inc.
- Pijnenborg, G. H. M., Withaar, F. K., Van den Bosch, R. J. und Brouwer, W. H. (2007). Impaired perception of negative emotional prosody in schizophrenia. The Clinical Neuropsychologist, 21(5), 762-775.
- Russell, T. A., Green, M. J., Simpson und Coltheart, M. (2008). Remediation of facial emotion perception in schizophrenia: concomitant changes in visual attention. Schizophrenia Research, 103(1-3), 248-253.
- Williams, L. M., Loughland, C. M., Gordon und Davidson, D. (1999). Visual scanpaths in schizophrenia. Is there a deficit in face recognition? Schizophrenia Research, 40(3), 189-199.
- Young, A. W., Perrett, D., Calder, A., Sprengelmeyer und Ekman, P. (2002). The facial expressions of emotion: stimuli and test, manual. Bury St. Edmunds, UK: Thames Valley Test Company.
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Dieser Artikel wurde übersetzt; Link zum Originalartikel auf Spanisch:
Procesamiento emocional en esquizofrenia







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