Die Expertin für kognitive Reserven und Spezialistin für kognitive Stimulationstherapien für Menschen mit und ohne kognitive Beeinträchtigung, Nora Rodríguez, spricht darüber, wie wichtig es ist, Bücher zu lesen und über die Vorteile des Lesens für das Gehirn.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO, o.J.) weist darauf hin, dass alle drei Sekunden weltweit eine Person eine Form von Demenz entwickelt. Angesichts dieser bevorstehenden und besorgniserregenden Realität müssen wir Strategien kennen, die uns helfen, dem pathologischen und nicht pathologischen kognitiven Abbau entgegenzuwirken. Der Einsatz nicht-pharmakologischer Therapien (TNFs) durch Instrumente wie Lesen und Schreiben ist nicht nur wirksam, sondern auch eine
Nicht-pharmakologische Therapien (TNFs)
TNFs wurden (Olazarán, 2010) definiert als „jede nicht-chemische, fokussierte und reproduzierbare Intervention, die auf einer theoretischen Grundlage beruht, beim Patienten oder Betreuer durchgeführt wird und potenziell einen relevanten Nutzen erzielen kann“. Es gibt eine breite Palette von TNFs, darunter Interventionen, die sich auf die kognitiven Funktionen einer Person konzentrieren und darauf abzielen, Informationsverarbeitung, Realitätsorientierung und Erinnerungsabruf zu fördern.
Zu diesen TNF-Interventionen zählen Aktivitäten, die auf Gedächtnis-, Aufmerksamkeits-, Konzentrations-, Sprach-, exekutive und visuell-räumliche Übungen basieren, sowohl in Gruppen als auch individuell, mit oder ohne Einsatz neuer Technologien.
Es können auch Therapien zur räumlichen, zeitlichen und persönlichen Orientierung sowie Reminiszenzübungen eingesetzt werden, um Erinnerungen aus der Vergangenheit ins Hier und Jetzt zu holen, indem man Elemente wie Lieder, Fotos, Düfte, Geschmäcker und andere Gegenstände nutzt.
Eine weitere Form der kognitiven Stimulation, insbesondere bei älteren Menschen, ist das kommentierte Lesen eines zuvor ausgewählten Themas oder Buches, bei dem individuell oder in der Gruppe Kommentare, Debatten und Argumentationen stattfinden, die den Inhalt und die Bedeutung der Lektüre vertiefen und reflektieren.
Indem wir das Gehirn durch kontinuierliches Lesen kognitiv stimulieren, profitieren wir, weil wir die Festigkeit des Gehirngewebes erhöhen und so den altersbedingten kognitiven Abbau verlangsamen. Gleichzeitig beugen wir neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer und anderen Demenzen vor. Zahlreiche Studien zeigen eine positive Assoziation zwischen Lesen und kognitivem Abbau, was bedeutet, dass ohne Lesegewohnheit und bei niedrigem Bildungsniveau ein stärkerer kognitiver Rückgang zu beobachten ist.

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Die Bedeutung von Büchern
Seit Jahrtausenden dienen Bücher als Träger all dessen, was bekannt ist und geteilt werden möchte. Sie ermöglichen die Weitergabe von Wissen und bieten zugleich Unterhaltung, auch wenn die wahren Vorteile des Lesens für unser Gehirn oft nicht vollständig bekannt sind.
Im Laufe der Jahre standen Bücher in unterschiedlichen Formaten zur Verfügung. Doch im Jahr 2000 wurde das erste elektronische Buch im Internet veröffentlicht: Stephen Kings Riding the Bullet.
Heute gibt es unzählige Verlage und Buchhandlungen, in denen wir physische oder digitale literarische Werke erwerben können.
Dieses Wissen bestätigt, dass das Lesen – eines der wichtigsten Werkzeuge gegen kognitiven Abbau – oft ungenutzt bleibt, weil vielen die vielfältigen Vorteile für die Gehirngesundheit nicht bewusst sind.
Zahlreiche Studien belegen vielfältige Vorteile des Lesens, von erhöhter Phantasie und Kreativität bis hin zu wichtigerem Schutz im Alter, etwa dem Schutz vor kognitivem Abbau.
Was passiert beim Lesen?
Beim Lesen werden spezifische Bereiche unseres Gehirns aktiviert, vor allem im linken Hemisphäre, die für Vernunft, Logik, Sprache und Wissen zuständig ist.
Wir scannen den Text mit den Augen und erkennen die Buchstaben. Dabei aktivieren wir Gehirnregionen, um die Bedeutung dieser Buchstabenkombinationen zu entschlüsseln, und übertragen Informationen in andere Hirnareale.
Je konzentrierter und aufmerksamer wir lesen, desto mehr verändern und stärken wir unser Gehirn und seine neuronalen Verbindungen und können sogar neue Neuronen bilden. Dies ist der Kern der Leseförderung fürs Gehirn.
Ein wichtiger Aspekt ist die Häufigkeit und Art des Lesens, damit es tatsächlich zu einem Schutzfaktor gegen kognitiven Abbau wird.
Studien zeigen, dass regelmäßiges Lesen über mehr als fünf Jahre und mindestens ein abgeschlossener Grundschulabschluss als Schutzfaktoren gegen altersbedingten kognitiven Abbau gelten können (Esteve, 2013).
Zudem sollte das Lesen langsam und sorgfältig erfolgen und alle Sinne einbezogen werden, um das Gelesene wirklich zu erleben.
Wir sollten unserer Fantasie freien Lauf lassen, um mentale Bilder der Protagonisten und beschriebenen Landschaften zu erzeugen sowie Gerüche, Geschmäcker und Farben zu erinnern. Lesen sollte ein kraftvolles, intensives und äußerst bereicherndes Erlebnis sein.
Vorteile des Lesens
Wir haben bereits erwähnt, dass Lesen unsere Phantasie, Kreativität und die Aktivierung kognitiver Prozesse steigert. Es gibt viele weitere Vorteile regelmäßigen Lesens, darunter:
1. Aktivierung des Gedächtnisses
Menschen, die regelmäßig lesen, verstehen Satzstrukturen leichter, was eine bessere Leseverständnis und intensivere Gedächtnisleistung zur Folge hat.
Beim Lesen trainieren wir unser Gedächtnis, indem wir Figuren, Handlungen und Schauplätze verknüpfen, diese Verbindungen abrufen, um die Handlung zu analysieren und anschließend Schlussfolgerungen zu ziehen und Vorhersagen zu treffen.
2. Verbesserung kognitiver Funktionen
Lesen fördert Funktionen wie Konzentration, Aufmerksamkeit, Sprache und verbale Flüssigkeit. All diese Fähigkeiten verbessern sich, je mehr das Gehirn das kontinuierliche Lesen gewöhnt wird.
3. Förderung von Empathie
Lesen ermöglicht es uns, verschiedene Situationen kennenzulernen, die Figuren durchleben, und ihre Gefühle und mentalen Zustände besser zu verstehen.
Lesen im Alter und in jedem Lebensabschnitt
Lesen allein macht uns zwar nicht immun gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder andere Demenzen, aber es verzögert und verlangsamt den altersbedingten kognitiven Abbau.
Lesen zählt zu den wirkungsvollsten Aktivitäten für ein gesundes Gehirn in jedem Alter. Leider wird das Gehirn im Laufe des Lebens oft nicht ausreichend gepflegt, um es fit und gesund zu halten.
Es stimmt: „Alles, was gut fürs Herz ist, ist gut fürs Gehirn“, aber körperliche Bewegung allein, eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr reichen nicht aus.
Vorteile des Lesens bei älteren Menschen
Das Gehirn braucht weit mehr als nur die üblichen Maßnahmen zur Gehirngesundheit. Im Alter sollten wir uns besonders um eine gute Lesegewohnheit bemühen, denn sie fördert unsere Gehirngesundheit und bietet zusätzlich folgende Vorteile:
1. Lernen neuer Dinge
Durch Lesen können wir verschiedene Orte, Kulturen und Denk- oder Lösungsweisen kennenlernen.
2. Stressabbau
Lesen kann den Herzschlag verlangsamen, Entspannung fördern und Stress sowie Angstzustände deutlich reduzieren. Studien zeigen, dass Lesen sogar wirksamer ist als Musikhören oder Spazierengehen.
3. Abnahme von Schlaflosigkeit
Lesen kann als Werkzeug für eine gesunde Schlafhygiene eingesetzt werden.
Wie bereits erwähnt, hilft Lesen beim Entspannen und erleichtert das Einschlafen. Am besten liest man in gedruckten Büchern; falls digitale Geräte genutzt werden, sollte man für matte Bildschirme sorgen.
Lesen und soziale Interaktion
Ein weiterer Vorteil des Lesens ist, dass es eine gute Begleitung für Menschen jeden Alters sein kann.
In Büchern finden wir Welten und Charaktere, die uns helfen, Isolation und unerwünschte Einsamkeit zu überstehen – ein Problem, das vor allem bei älteren Menschen weitverbreitet ist und zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Bücher sind leicht transportierbar und dank tausender kostenloser digitaler Ausgaben einfach erhältlich.
Darüber hinaus ermöglichen Bücher den Besuch von Leseworkshops, in denen wir lesen, reflektieren und uns austauschen können.
Beim Lesen erwerben wir Wissen, Fakten, Ideen und Wortschatz, die uns zu interessanteren, flüssigeren und tieferen Gesprächen mit Bekannten oder neuen Freunden befähigen.
Fazit
Wie deutlich geworden ist, ist Lesen eine der wichtigsten Maßnahmen, um kognitivem Abbau entgegenzuwirken und das Auftreten neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer und anderer Demenzen zu verlangsamen.
Tiefes, bewusstes und aufmerksames Lesen verschafft uns zahlreiche Vorteile, darunter verbesserte Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Sprache sowie reduzierte Stress- und Schlaflosigkeit.
Glücklicherweise ist Lesen dank digitaler Ausgaben großer literarischer Werke heute für die meisten Menschen zugänglich. Es wäre wirklich schade, dieses reichhaltige Gehirntraining unbeachtet im Regal oder online liegen zu lassen.
„Lesen hat keine Nebenwirkungen – verschenkt Bücher, verschenkt Gehirngesundheit.“
Bibliografie
ESTEVE ESTEVE, Miguel & COLLADO GIL, Ángel. Die Lesegewohnheit als Schutzfaktor gegen kognitiven Abbau. Gac Sanit [online]. 2013, vol.27, n.1 [zitiert 2023-03-01], S.68-71. Abgerufen von: http://scielo.isciii.es/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0213-91112013000100013&lng=es&nrm=iso
Olazarán, J., Reisberg, B., Clare, L., Cruz, I., Peña-Casanova, J., del Ser, T., … & Muñiz, R. (2010). Wirksamkeit nicht-pharmakologischer Therapien bei Alzheimer: eine systematische Übersicht. Abgerufen von: https://www.ceafa.es/files/2012/05/4cef943853-2.pdf
Panamerikanische Gesundheitsorganisation (o.J.). Demenz. Abgerufen von: https://www.paho.org/es/temas/demencia
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Dieser Artikel wurde übersetzt; Link zum Originalartikel auf Spanisch:
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