Was ist Multiple Sklerose?
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, entzündliche und immunvermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) —Gehirn, Rückenmark und Sehnerv—, bei der es zu Demyelinisierung, axonaler Schädigung und Neurodegeneration kommt.
Das bedeutet, dass nicht nur das Myelin geschädigt wird, sondern auch die Axone, was im Lauf der Zeit zur körperlichen und kognitiven Behinderung beiträgt.
Ursachen der Multiplen Sklerose
Die genauen Ursachen sind nicht vollständig bekannt, doch die MS gilt als multifaktorielle Erkrankung, die aus dem Zusammenspiel von Genetik und Umweltfaktoren entsteht.
Zu den wichtigsten Faktoren zählen:
- Epstein-Barr-Virus (EBV) (zentraler Auslöser)
- Rauchen
- Vitamin-D-Mangel
- Geringe Sonnenexposition
- Adipositas im Jugendalter
Auf genetischer Ebene ist das Allel HLA-DRB1*15:01 einer der bedeutsamsten Risikofaktoren.
Heute versteht man die MS als Folge einer fehlgeleiteten Immunantwort gegen das ZNS bei entsprechend veranlagten Personen.
Epidemiologie
Die Multiple Sklerose betrifft 2,9 Millionen Menschen weltweit.
- Durchschnittliches Alter bei Diagnose: 30–33 Jahre
- Höhere Prävalenz bei Frauen: Verhältnis von etwa 2:1
In Spanien wurden für 2021 mehr als 61.700 Fälle geschätzt, mit einer Prävalenz von 132 pro 100.000 Einwohner und einer höheren Häufigkeit im Norden des Landes.
Kognitive Beteiligung bei MS
Neben den neurologischen Symptomen kann die MS eine kognitive Beeinträchtigung hervorrufen, auch in frühen Phasen.
Die hauptsächlich betroffenen Bereiche sind:
- Aufmerksamkeit
- Verarbeitungsgeschwindigkeit
- Gedächtnis
- Exekutive Funktionen
- Wortflüssigkeit
Man schätzt, dass etwa 1 von 3 Nutzerinnen und Nutzern mit schubförmig-remittierenden Verlaufsformen betroffen ist.
Symptome der Multiplen Sklerose
Motorische Symptome
- Schwäche in den Gliedmaßen
- Spastik und Spasmen
- Tremor und Gleichgewichtsverlust
- Schwierigkeiten beim Gehen
Sensible Symptome
- Kribbeln und Taubheitsgefühl
- Gefühl eines elektrischen Schlags
- Neuropathischer Schmerz
Visuelle Symptome
- Verschwommenes oder doppeltes Sehen
- Sehverlust
- Optikusneuritis
Blasen- und Darmsymptome
- Harndrang und Inkontinenz
- Verstopfung
Sexuelle Symptome
- Verminderte Libido
- Erregungsstörungen
Sprechen und Schlucken
- Dysarthrie
- Dysphagie
Weitere häufige Symptome sind Fatigue, Depression, Angst und kognitive Veränderungen. Die Fatigue gehört zu den am stärksten beeinträchtigenden Symptomen.
Schub vs. Pseudoschub
Schub: Auftreten neuer Symptome oder Verschlechterung über ≥24 Stunden ohne Fieber oder Infektion.
Pseudoschub: vorübergehende Verschlechterung, ausgelöst durch Faktoren wie Hitze, Infektionen oder Erschöpfung, ohne entzündliche Aktivität.
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf die McDonald-Kriterien, die den Nachweis von Folgendem verlangen:
- Räumlicher Dissemination
- Zeitlicher Dissemination
Verwendet werden:
- Klinische Befunde
- Magnetresonanztomographie
- Liquor cerebrospinalis
Zu den jüngsten Fortschritten gehören:
- Oligoklonale Banden
- Freie Kappa-Leichtketten
- Central vein sign
- Paramagnetic rim lesions
Dies ermöglicht eine frühere Diagnose, birgt jedoch das Risiko einer Überdiagnose.
Verlauf der Erkrankung
Die MS kann unterschiedliche Verläufe zeigen:
- Schubförmig-remittierend (am häufigsten)
- Sekundär progredient
- Primär progredient
Es kann auch eine Progression ohne Schübe auftreten, bekannt als PIRA.
Behandlung
Es gibt keine endgültige Heilung, wohl aber zahlreiche Optionen:
- Kortikosteroide bei Schüben
- Plasmapherese in schweren Fällen
- Krankheitsmodifizierende Therapien
Der Ansatz umfasst außerdem:
- Physische Rehabilitation
- Symptomatische Behandlung
- Psychologische Unterstützung
- Kognitive Diagnostik und Rehabilitation
Die kognitive Beeinträchtigung bessert sich nicht immer allein durch eine medikamentöse Behandlung, weshalb die neuropsychologische Intervention entscheidend ist.
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